Koriander

Wanzenkraut • Coriandrum sativum

Doldenblütler, einjährig

Droge:
die Samen: würzig, nussig, warm mit Zitrusnote
die Blätter (arabische/chinesische Petersilie)

Geschmack: würzig, nussig, warm mit Zitrusnote, „wanzig“

Inhaltsstoffe: ätherisches Öl, Gerbstoffe, Eiweiße, Vitamin C

Wirkung und Anwendung:

  • Samen anerkannt von Kommission E bei Magen-Darm-Beschwerden
  • Antioxidans
  • reinigt, schützt, regeneriert die Leber – auch bei Fettleber, Leberzirrhose, Hepatitis C
  • regt Verdauung an; bei Blähungen, Darmkrämpfen, Reizdarm
  • regelt Blutfett- und Blutzuckerwerte
  • antibakteriell (z. B. bei Harnwegsinfekten)
  • entzündungshemmend
  • krebshemmend
  • neuroprotektiv; soll Psyche/Nerven stabilisieren > bei Migräne
  • krampflösend
  • Asthma
  • Amenorrhoe
  • Mund- und Körpergeruch
  • Ayurveda: abführend, entwässernd
  • TCM: Hämorrhoiden, Zahnschmerzen, Masern
  • Volksheilkunde: Husten, Magen-Darm-Beschwerden, Tollwut
  • Aromatherapie: Stimulanz
  • als Essenz für Parfüm
  • als Gewürz in Aachener Printen
  • in Likör: Chartreuse, Bénédictine

Geschichte:
Im Papyrus Ebers (1.550 v. C.); im Grab von Tutanchamun gefunden; bei den Römern zum Würzen von Wein; in chinesischen und indischen Kräuterbüchern

Koriander wirkt warm und zusammenziehend, er ist gegen Sodbrennen nützlich und fördert, als Letztes gegessen, auch den Schlaf.
Hippokrates

Coriander wächst gern in Gärten und manchmal auch außerhalb der Gärten von selbst. Das Kraut stinkt übel, der Same ist ganz rund, von gutem Geruch, dieser ist der Apotheker Himmelbrot.
Adam Loritzer

Safran

Crocus sativus

  • mehrjährige Knollenpflanze, Schwertliliengewächs
  • Ursprung ungewiss
  • in der Antike Anbau auf Kreta, Kaschmir, Himalaya – heute große Felder im Iran, Spanien u.a.
  • blüht im Spätherbst
  • in jeder Blüte des Safrankrokus sind 3 orangefarbene Blütennarben = die Safranfäden
  • das teuerste Gewürz der Welt – für 450 g Safran müssen 200.000 Blüten von Hand geerntet werden
  • Geschmack erdig, bittersüß

Inhaltsstoffe:
Farbstoff Crocin, Bitterstoff Procrocin, 60 Duftstoffe (Safranal u.a.), Riboflavin, Crocetin

Wirkung & Anwendung

  • schmerzlindernd, harntreibend, schweißtreibend, verdauungsfördernd, schlaffördernd, hustenstillend
  • krampflösend, z. B. bei Menstruationsbeschwerden
  • blutdrucksenkend
  • antidepressiv
  • antidiabetisch
  • antioxidativ
  • hoher Gehalt an Vitamin B2 / Riboflavin – gut für den Stoffwechsel und Augen, hilft bei Migräne
  • Höchstmenge 5g – Nebenwirkungen: Schwindel, Kopfweh, Übelkeit >
    hohe Dosen sogar tödlich
getrockneter Safran in der Apotheke im Freilichtmuseum Molfsee – die leuchtend violette Farbe hat sich gut erhalten


Muskatnuss

Myristica fragrans

Muskatnussgewächs

Droge: die Samen “Nüsse”

Geschmack: kräftig, nussig, holzig, warm, harzig, harmonisch

die beste kommt aus Grenada (kleine Antillen)

Inhaltsstoffe: ätherische Öle, 30-40% fettes Öl, Muskatbutter/Muskatbalsam, psychotropes Myristicin, Elemicin, Safrol

Muskatnusspflanze im Gewächshaus
des Pharmazeutischen Instituts der CAU, Kiel

Wirkung und Anwendung:

  • stärkt Leber und Gallenblase gegen Toxine
  • bei Verdauungsbeschwerden, Magenkrämpfen, Durchfall
  • bei Bronchialkrankheiten, Asthma
  • rheumatische Beschwerden (in Salben)
  • blutstillend
  • regt Nerven und Gehirntätigkeit an > psychoaktiv > Missbrauch als Rauschmittel > Bewusstseinsstörungen, Halluzinationen, Orientierungslosigkeit
  • in hohen Dosen (ab 5g) ist Muskatnuss giftig!
  • im Mittelalter begehrtes „Pestmittel”

Hildegard von Bingen

Die Muskatnuss hat große Wärme und eine gute Mischung in den Kräften.
Wenn der Mensch Muskatnuss isst, öffnet sie sein Herz, reinigt seine Sinne und bringt ihm gute Stimmung.

Physica 1.21

Anwendung bei:
• depressiver Verstimmung
• Gicht im Gehirn

Rosmarin

Rosmarinus officinalis

Heilpflanze des Jahres 2011

Familie: Lamiaceae

Herkunft: Mittelmeergebiet, Asien, Indien, USA, Australien

Droge
Blätter: Geruch schwach campherartig, würzig; Geschmack aromatisch bitter
Rosmarinöl:  durch Wasserdampfdestillation aus Blättern und Stängeln gewonnen; Geruch herb, Geschmack aromatisch, bitter, kühlend

Inhaltsstoffe:
ätherisches Öl (Campher, Cineol, α-Pinen), Diterpenphenole (Carnolsäure, Isorosmanol, Rosmadial, Rosmarichinon), Zimtsäurederivate (Rosmarinsäure, Kaffeesäure, Sinapinsäure, Ferulasäure), Flavonoide (in den Blättern), Triterpene, Steroide, Kohlenhydrate (Arabinose, Xylose, Galactose, Glucose, Rhamnose, Mannose)

Rosmarin mit Blüten

Wirkung:
antimikrobiell, antiviral, spasmolytisch, cholagog (galletreibend), choleretisch (gallebildend), antimutagen, antikonvulsiv, abortiv !!
hautreizend und durchblutungsfördernd

Anwendung:
innerlich: bei Verdauungsbeschwerden
äußerlich: als Hautöl, Salbe, Einreibung, Bad etc. zur Hyperämisierung bei Kreislaufschwäche und rheumatischen Erkrankungen

Da ist Rosmarin, das ist zur Erinnerung;
ich bitt‘ Euch, liebt mich, gedenket mein.
Shakespeare: Hamlet

Süßholz

Glycyrrhiza glabra / liquiricium

Arzneipflanze des Jahres 2012

Schmetterlingsblütengewächs, bis zu 1,5 m hoch, frostempfindlich, mehrjährig, ursprünglich aus China

Droge:
Arzneilich verwendet wird die Wurzel (Liquiritiae radix), die im Spätherbst ausgegraben wird. Aus der Wurzel wird durch Auskochen und Eindicken der Saft (Liquiritiae succus) gewonnen. Diesen Saft verwendet man zur Herstellung von Lakritze.
Geschmack sehr süß, warm intensiv

Inhalts- und Wirkstoffe:
es sind mehr als 400 nachgewiesen worden u. a.:
Saponine (z. B. Glycyrrhizin – 50 mal süßer als Zucker, aber fast keine Kalorien), Flavonoide, Cumarin, Polysaccharide, Steroide

Wirkung:
stark wirksam an den Schleimhäuten; antiviral, antibakteriell, entzündungshemmend, schleimlösend, auswurffördernd, krampflösend und schleimhautschützend

Anwendung:
bei Erkrankungen der Atemwege, bei Reizmagen, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren

Kontraindikationen:
Leber- oder Nierenerkrankungen, Bluthochdruck, Kaliummangel, Schwangerschaft/Trächtigkeit, Einnahme von Digitalis oder Saluretika

Nebenwirkungen:
Bei zu langer (über 6 Wochen) oder zu hochdosierter Anwendung kann es zu einem Cushing Syndrom mit folgenden Symptomen kommen:
– Erhöhung des Blutdrucks
– Wassereinlagerungen/Ödemen
– Änderung des Kalium/Natrium-Gleichgewichtes

Geschichte:
bereits in Ägypten bekannt; skythische Wurzel


Hildegard von Bingen

Süßholz ist von gemäßigter Wärme und verschafft dem Menschen eine klare Stimme wie immer es gegessen wird, und es macht sein Gemüt sanft und seine Augen hell und seinen Magen weich für die Verdauung, weil seine Wärme gut ist und nützlich und nicht schädlich, und deshalb nützt es in all diesen (Punkten). Aber auch einem Wahnsinnigen nützt es sehr, wenn er es häufig isst, weil es die Raserei in seinem Gehirn erstickt.

Physica 1.19