Tollkirsche

Atropa belladonna

Nachtschattengewächs / Solanaceae

Beschreibung: 50-150 cm, Juni bis August; drüsig flaumig behaart; glänzend schwarz-rote (selten gelbe) Beeren; mehrjährig, reich verzweigt; Blüten braunviolett

Vorkommen: Waldlichtungen, Kahlschläge, Wegränder; basen- und stickstoffsalzhaltige Böden

Droge:
Blätter und Wurzel; höchste Konzentration der Wirkstoffe in den Samen

tödlich giftig

Schon 3-4 Früchte können für ein Kind tödlich sein! Sie sind NICHT bitter und können daher ohne Ekel gegessen werden. Außerdem unterdrückt das Scopolamin den Brechreiz.

Inhaltsstoffe

  • Atropin: hemmt die Freisetzung von Botenstoffen im Nervensystem; Verdauung, Herzschlag und Sehvermögen gestört erweitert die Pupillen
  • Hyoscyamin: psychoaktiv
  • Skopolamin: dämpft das vegetative Nervensystem und den Brechreiz
  • und andere Alkaloide

Anwendung

  • Positive Monografie bei krampfartigen Schmerzen/Spasmen
  • kolikartige Schmerzen im Verdauungstrakt, den Gallen- und Harnwegen
  • Parasympatholytika, Krampflösung
  • Pupillenerweiterung
  • Scopolamin-Pflaster gegen Reisekrankheit
  • in geringer Menge aphrodisierend
  • Narkosen (Reduzierung der Schleimbildung der oberen Luftwege bei Intubation)
  • NUR Fertigpräparate
  • Apothekenpflichtig!

Nebenwirkungen:  
Herzrasen, Akkomodationsprobleme (Maschinen führen), Hitzewallungen, Sehstörungen, Trockenheitsgefühl in Mund und Rachen, Schreien und Wahnvorstellungen, Atropinfieber, Tobsuchtsanfälle

Vergiftungserscheinungen

Heiß wie ein Vulkan, blind wie ein Maulwurf, trocken wie ein Knochen, rot wie eine Tomate und verrückt wie der Hutmacher bei Alice im Wunderland.

Hildegard von Bingen

Die Tollkirsche hat in sich Kälte und Hitze, aber in der Weise, dass sie in dieser Kälte den Überdruss und die Lähmung der Unvollkommenheit enthält, und auf der Erde und an dem Ort, wo sie wächst, besitzt die teuflische Einflüsterung gewissermaßen Anteil und Gemeinschaft für ihre Kunst. Sie ist auch für den Menschen gefährlich zu essen und zu trinken, weil sie sein Bewusstsein erschüttert, als ob er tot sein.

Physica 1.52

Wissenswertes

  • Atropos ist der Name der griechischen Schicksalsgöttin/Parze, die den Lebensfaden der Menschen zu durchschneidet.
  • Die Pflanze spielte bereits bei den Zauberinnen in den Sagen des griechischen Altertums eine Rolle.
  • Bis in die Renaissance träufelten sich Frauen Atropa ins Auge, um ihre Pupillen zu erweitern. Durch diesen Einsatz als Kosmetikum, der allerdings zu Lasten der Sehfähigkeit geht, entstand der Artname belladonna =  schöne Frau
  • Verbreitung der Samen durch Vögel
  • Bestandteil der Flugsalben der Hexen > Aufnahme über die Haut > Gefühl vom Fliegen
  • teilweise in Bier oder Wein gemischt

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