Lehrwanderung im Botanischen Garten

Schamanen- und Heilpflanzen der Alten Welt

Am 2. September fand die monatliche Lehrwanderung im Botanischen Garten statt. Dozent war Archäobotaniker Dr. Helmut Kroll, der unterhaltsam Anekdoten und wissenschaftliche Fakten kombinieren kann.

Diese Pflanzen wurden besprochen: 

Stiefmütterchen/Viola tricolora

Mohn: gibt es im Norden schon seit der Bronzezeit

Attich: wird seit der Bronzezeit verwendet; Holunder erst seit dem Mittelalter

Paeonie: Marienpflanze

Eselsdistel „Kaktus“ Artemisia absinthum: schon bei den Slawen verwendet

Tollkirsche

LampionpflanzeEisenkraut

Zwergeiche/Erdeiche

Mistel

Malve/Pappel: papp = Brei

Rettich, Kohl, Raps, Rüpsen, Brassica nigra, Gelbes Eisenkraut, Gänsefußgewächse, Guter Heinrich, Rübe, Mangold, Bastard-Gänsefuß/Sautot

Sumpfwolfsmilch

Hopfen: macht Bier lagerfähig
Gagelstrauch: zum Bier brauen

Hanf

Mädesüß: zur Metherstellung

Eibe: für Langbögen

Buchs

BilsenkrautEibisch

 

Freilichtmuseum Molfsee

Mein liebstes Gebäude im Freilichtmuseum ist die alte Apotheke.
Jede Schublade und jedes Glas ist voller Geheimnisse und Geschichten.

Die zum Trocknen aufgehängten Kräuter habe ich mir natürlich besonders gründlich angesehen.

Erstaunlich, wie sich das Blauviolett des Safrans auch nach der Trocknung erhalten hat.

Für diesen großen Mörser braucht man sicherlich viel Kraft.

Neben dem Haus ist ein kleiner Apothekergarten angelegt.

Die giftige Herbstzeitlose blüht.

Paracelsus

Theophrastus Bombastus von Hohenheim

1493-1541

Arzt, Alchemist, Philosoph, Astrologe, Mystiker und Laientheologe

Auf seinen Reisen durch ganz Europa sammelte er praktische Erfahrungen.

Seine Medizin basiert auf einer neuen Form der Natur- und Gotteserkenntnis. Seine Heilerfolge waren legendär – was ihm viele Gegner einbrachte.

Paracelsus war ein ausgezeichneter Chemiker. Für ihn ist der Körper ein chemisches System und besteht aus den Urstoffen

Schwefel (Sulfur), Quecksilber (Mercurius), Salz (Sal).

Er befasste sich mit der Metamorphose von Materie, mit der Pharmakologie, forschte über die Heilkraft verschiedener Pflanzen und Kräuter, erarbeitete die Signaturenlehre und legte den Grundstein für die Homöopathie.

Obwohl einige seine Thesen heute überholt sind, hatten seine Forschung und seine Lehren Einfluss bis ins zwanzigste Jahrhundert. Er gilt als Begründer der modernen Medizin und Vater der Chirurgie.

 

Hippokrates von Kos

460 bis 370 v. Chr.

Vater der europäischen Heilkunde

Er gilt als der berühmteste Arzt des Altertums und wurde schon zu Lebzeiten hoch verehrt. Er gründete eine eigene Schule, in der er seine Vorstellung von Medizin lehrte.

Zuerst das Wort, dann die Pflanze, zuletzt das Messer.

Das Corpus Hippocraticum besteht aus mindestens 61 Schriften. Sie handeln unter anderem von einem Bestreben um eine Medizin, die auf der vernunftgemäßen Naturbeobachtung basiert. Hippokrates gilt daher als Begründer der Medizin als Wissenschaft.

Medicus curat, natura sanat.
Der Arzt behandelt, die Natur heilt.

Hippokrates forderte vom Arzt körperliche und geistige Hygiene, persönliche Integrität, Vorsicht, Empathie und analytisches Denken. Die hippokratische Lehre, ein Arzt habe sich auf sorgfältige Beobachtung, Befragung und Untersuchung zu stützen und seine Diagnose und Therapie systematisch zu erarbeiten, mutet recht aktuell an (vgl. evidenzbasierte Medizin). Die Bedeutung der Anamnese (Vorgeschichte), der Lebensumstände und der seelischen Situation des Patienten wird von der modernen Medizin uneingeschränkt anerkannt.

Foto: Hippokrates Porträt im Apothekenmuseum in Cluj-Napoca, Rumänien