Weißdorn

Hagedorn • Crataegus

Unterarten:
• eingriffliger Weißdorn – Crataegus monogyna
• zweigriffliger Weißdorn – Crataegus laevigata

Arzneipflanze des Jahres 2019

Familie: Rosengewächse/Rosaceae

Beschreibung:
2-8 m Strauch/Baum, mit Dornen, weiße Doldenrispen Mai/Juni;
in Doldentrauben angeordnete rote Schließfrüchte enthalten mehliges gelbes Fruchtfleisch und entweder einen Steinkern (C. monogyna) oder 2 Steinkerne (C. laevigata); 100 verschiedene Arten, von denen 5 genutzt werden; Bastarde kommen häufig vor; ähnliche Heilkraft

Vorkommen:  
Waldränder, Gebüsche; kalk- oder basenhaltigen, lockeren, meist steinigen Lehmboden; oft ortsnah gepflanzt

Sammelgut / Droge
während der Blütezeit werden Blüten und Blätter gesammelt, die man frisch oder getrocknet verwendet; die reifen Früchte werden im Herbst gesammelt

Inhaltsstoffe: 
Glukoside, Crataegussäure, ätherisches Öl, Flavonoide (Hyperosid, Rutin u.a.), Saponine, Dimere (Hyperosid, Rutin u.a.), Triterpensäure, Chlorogensäure, Kaffeesäure, aromatische Amine, Aminopurine, Catechine
> Früchte: Zucker, Fruchtsäuren, ätherische Öle, Gerbstoffe, herzwirksame Glykoside
> Blätter: herzwirksame Flavonoide, Procyanide, Gerbstoffe

Wirkung    

Heil- und Kräftigungsmittel für Herz und Kreislauf, besonders das Altersherz, stärkt die Herzmuskulatur, fördert die Durchblutung der Herzkranzgefäße, regelt die Pulsfrequenz; positiv inotrop (Kontraktilität des Herzmuskels); positiv dromotrop (Erregungsleitung des Herzens); negativ bathmotrop (Verringerung der Erregbarkeit durch Heraufsetzen der Reizschwelle); Zunahme der Koronar- und Myokarddurchblutung; Senkung des periphären Gefäßwiderstandes

Wirkung tritt erst nach längerer Einnahme ein > regelmäßig über Monate

Anwendung

  • Bei nachlassender Leistungsfähigkeit des Herzens; Altersherz, Herzinsuffizienz NYHA II (III), chronisches Cor pulmonale
  • bei Schlafstörungen, schwachem Kreislauf, nervösen Störungen;
  • Press-Säfte bei Angina pectoris, Durchblutungsstörungen, Bluthochdruck, Herzschwäche, Verdauungsstörungen
  • Früchte lassen sich zu Saft oder Marmelade verarbeiten
  • Blätter und Früchte als Tee

Monografie positiv, ESCOP

Hildegard von Bingen

Weißdorn hat weder rechte Wärme noch rechte Kälte, sondern Trägheit, und er ist wie Unkraut, so dass weder seine Frucht noch sein Saft zu Arzneien taugt, und er taugt auch nicht zu anderweitiger Nutzung durch den Menschen.

Physica 3.51

Wissenswertes

  • Seine komplexe Wirkung wurde erst in der Neuzeit entdeckt.
  • Der widerliche Blütenduft wird durch Trimethylamin verursacht.
  • Der dornige Heckenstrauch heißt wegen seiner helleren Rinde »Weißdorn«, im Gegensatz zu der Schlehe, die wegen ihrer schwarzen Rinde »Schwarzdorn« genannt wird.
  • Der »Rotdorn« ist eigentlich ein Weißdorn mit roten Blüten.
  • Bildet zusammen mit Schlehen, Brombeeren, Wildrosen, Kreuzdorn und anderem Gestrüpp eine natürliche Hecke, einen Hag – dieser diente zum Schutz von Vieh und Siedlung. Außerdem lieferten dieser Hag Früchte für Mensch und Tier.
  • Wanderstab des Joseph von Arimathea – Er steckte ihn in Glastonbury in den Boden und daraus wuchs ein Weißdornbusch. (Wird dort noch heute gezeigt.)