Efeu

Hedera helix

andere Namen: Immergrün, Mauerwurz, Baumwürger, Totenranke

Familie: Araliaceae – Efeugewächse           

Botanik

  • immergrüner Strauch, im Boden wurzelnd und mit Haftwurzeln bis über 20 m kletternd (Wurzelkletterer)
  • Blätter oberseits glänzend
  • blüht im Herbst, Blütendolden, erst ab dem 8. Lebensjahr; an kühlen Orten möglicherweise nie blühreif
  • Beerenfrüchte reifen im März/April, färben sich rötlich-violett bis schwarz-blau

Vorkommen:
Wälder, Mauern, Felsen; liebt frische, lockere, mullhaltige Böden in luftfeuchtem Klima; fehlt in rauhen Lagen

Sammelgut:
es werden ganzjährig NUR die jungen Blätter geerntet

Inhaltsstoffe

  • Blätter: Hederin, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Mineralsalze
  • Beeren: giftig – Glykosid Hederin, Bitterstoffe, giftige Saponine (ein Saponin, das mit Cholesterin in der Zellmembran reagiert und die Zellen platzen lässt und dadurch Magen-Darm-Störungen, Übelkeit, Erbrechen und beschleunigten Puls auslöst)

Anwendung

  • Positive Monografie der Blätter für Katarrhe der Luftwege, bei chronisch-entzündlichen Bronchialerkrankungen, Bronchitis, Keuchhusten
  • in der Volksmedizin bei > Geschwüren, Rheuma, Gicht, Zellulitis, Hühneraugen, Parasiten, Leberleiden, Gallenblasenleiden in verschiedenen Zubereitungen –
    CAVE Überdosierung
  • Äußerlich als Waschungen bei Fußpilz, Hautschuppen und Grind – die Saponine wirken entzündungshemmend und pilztötend.

Wissenswertes

  • kann 400 – 500 Jahre alt werden (evtl. sogar bis 1.000 Jahre)
  • Bereits in den hippokratischen Schriften als Heilpflanze erwähnt.

Hildegard von Bingen

Efeu ist mehr kalt als warm und ist für den Menschen unnütz zu essen wie Unkraut.

Physica 1.141

Anwendung bei: Gelbsucht, Menstruationsstörungen, Eingeweidebruch

Zahnstocherkraut

Ammi visnaga

Khella, Bischofskraut

Familie: Doldengewächs

Beschreibung: aufrechtes 35-80 cm hohes Kraut

Herkunft: Mittelmeerraum

Droge: Samen und daraus zubereitete Präparate

Inhaltsstoffe

Khellin, Visnagin, Visnadin, Flavonoide, ätherisches Öl

Wirkung        

  • krampflösend an glatter Muskulatur (Bronchien, Darm, Galle)
  • positiver Einfluss auf Herzmuskel und dessen Durchblutung
  • leicht harntreibend
  • leicht blutdrucksenkend

Anwendung

  • Herzbeklemmung – leichte stenokardische Beschwerden
  • Unterstützung bei leichten Formen obstruktiv bedingter Atemwegsbeschwerden (leichtes Asthma, Keuchhusten)
  • unterstützend bei kleinen Blasen- und Nierensteinen

Dosierungsvorschriften unbedingt beachten
Nebenwirkungen: Übelkeit, Schwindel, Kollaps

Monografie: negativ

Geschichte:
bereits im Alten Ägypten  verwendet – in den 1930er Jahren in Ägypten wiederentdeckt und dann erforscht

Aloe

Curacao Aloe – Aloe barbadensis
Kap-Aloe – Aloe capensis/ferox

Familie: Affodillgewächse/Grasliliengewächse (Liliengewächse) – Asphodelaceae/Anthericaceae (Liliaceae)
Beschreibung: krautig oder strauchig, mehrjährig, Blätter mit Stacheln
Herkunft: Ost- und Südafrika (Kap der Guten Hoffnung), Madagaskar, verbreitet im Mittelmeerraum und einigen Gegenden Indiens.

Droge:  die fleischigen Blätter bzw. der wässrig bittere Saft der Blätter verschiedener Arten

Ernte: Blätter werden geschichtet, der Saft aufgefangen und dann über Feuer oder im Wasserbad eingedickt; nach dem Abschäumen gießt man ihn in Behälter, in denen er erstarrt

Geruch: charakteristisch, intensiv
Geschmack: bitter, unangenehm

Verarbeitung zu verschiedenen Präparaten:

  • Aloeextrakt = Aloes extractum
  • Aloetinktur = Aloes Tinctura
  • Pulver oder Trockenextrakt (wirken milder)
Aloe vera

Inhaltsstoffe

Hydroxyanthracen-Derivat Aloin, Harze, Bitterstoffe, Anthranoide (Aloin, Aloeemodin, Chrysophanol und deren Glykoside), Bradikinase (lindert Schwellungen und Schmerzen), Magnesiumlaktat (ein Antihistaminikum)

Wirkung

  • Anthranoide regen den Darm an > abführend
  • im Gel Polysaccaride + Salicylsäure > schmerzlindernd, entzündungshemmend
  • starkes und sicheres Abführmittel (BGA anerkannt) mit Wirkung im Dickdarm > enthalten in Tropfen, Pillen, Tabletten etc.
  • Tinktur und Extrakt als bitteres Magenmittel für die Gallesekretion
  • bakteriostatisch

Apothekenpflichtig!

Anwendung

  • Obstipation, Defäkationserleichterung bei Analfissuren, Hämorrhoiden und nach anorektalen Eingriffen
  • äußerlich bei Hautverbrennungen und schlecht heilenden Wunden (in Verdünnung) > beschleunigt die Heilung
  • in der Kosmetik als Hautschutz und Feuchtigkeitsregulator
  • Pflanzensaft als Wellness-Getränk

Monografie:    positiv, ESCOP, WHO, HMPC

Anwendung bei Tieren

  • Pferde reagieren am empfindlichsten!!
  • bei Rindern nur mäßig wirksam
  • innerlich kurzfristig bei Verstopfung und chronischem Meteorismus
  • Kontraindikation: trächtig (wirkt abortiv), laktierend, Milchkuh (Milch verfärbt sich gelbgrün bis rötlich und bekommt bitteren Geschmack)

Nebenwirkungen

Nieren-Reizung bis Nierenschädigung bei Überdosis; nicht für Schwangere geeignet; nicht bei einer Neigung zu Blutungen im Genitalbereich; kein Dauergebrauch (Kalium-Verlust); Störung der Herz- und Muskelfunktion, Darmreizung, nicht bei Darmverschluss

Wissenswertes

  • von den Ägyptern wurde das kühlende Gel zur Linderung von Verbrennungen und Wunden benutzt; als Salbe gegen Trachom (ein Augenkrankheit); als magische Räucherung
  • bei den Ärzten der Antike als Abführmittel verwendet
  • Macer floridus“ im 11.Jh:
    „Ihr Pulver befreit frische Wunden vom Eiter, wenn man es aufstreut. … Löst man es in Wasser auf und gibt es auf die Lippen und die Nase, hilft dies gegen dortige Eitergeschwüre, nicht weniger auch an den Augen.“

Hildegard von Bingen

Physica 1.175 Saft

Der Saft diese Pflanze ist warm und hat große Wirkkraft.
Wer an Halbseitenkopfschmerz leidet, nehme Aloe und doppelt so viel Myrrhe und mache das zu einem sehr feinen Pulver. Dann gebe er Semmelmehl hinzu und füge diesen Zutaten Mohnöl bei und mache so eine Masse, also etwas wie Sauerteig. Und mit diesem Teig bedecke er den ganze Kopf bis zu den Ohren und zum Hals … der so zubereitete Teig gibt dem Hirn seine Fetthaltigkeit zurück.

physica 1.217 Kraut

Ein Mensch, der schwere Geschwüre, das heißt die Krätze, am Kopf hat, soll dieses Kraut nehmen und ihm andere gute Kräuter und Gewürze zufügen, und durch seine Wärme und Kraft beseitigt es deren Fäulnis und Schmerz. Wenn es jedoch nicht mit den anderen Kräutern und Gewürzen zubereitet würde, würde es mit seiner Stärke die Geschwüre durchbohren und sie nicht heilen, wenn man es darüber legte.
Auch wer den Aussatz hat, soll dieses Kraut mit anderen guten Kräutern und Gewürzen zubereiten und so die aussätzigen Stellen einreiben, und es vermindert durch seine Wärme und Stärke die Fäulnis dieses Aussatzes.

physica 3.05 Holz

Das Holz des Aloe-Baums ist heiß.
Wer Fieber in seinem Magen hat, soll (etwas) von diesem Holz in seinen Trank einlegen und (das) oft so trinken, und durch seine gute Wärme und seine guten Kräfte unterdrückt es die Fieber in ihm. Und wenn jemand an täglichem Fieber oder Drei- oder Viertagefieber leidet, soll er (ebenfalls etwas) von besagtem Holz in seinen Trank einlegen und (das) oft so trinken, und er wird durch dessen gute Wärme und gute Kräfte geheilt werden. Wer aber das Viertagefieber hat, soll von diesem Holz in seinen Trank gleichsam Pulver schaben, weil dieses Fieber stark und hartnäckig ist, und es wird ihm durch die Kraft dieses Holzes, wenn es, wie gesagt, zu Pulver gemacht wurde, besser gehen.

Reiz‘ Aloe

Paprika

Capsicum annum

Spanischer Pfeffer, Cayenne Pfeffer, Indischer Pfeffer, Türkischer Pfeffer, Roter Pfeffer, Schotenpfeffer, Mexikanischer Paprika, Roter Piment, Beisbeere

Capsicum longum, C. hispidum, C. minimum

Nachtschattengewächs – Solanaceae

Botanik: einjähriges etwa 1m hohes Kraut mit sparrigen Ästen und langgestielten Blättern; aus den nickenden Blüten entwickelt sich eine rote, hohle Frucht (Blähfrucht)

Vorkommen: heimisch in Mexiko und Mittelamerika, wird in Süd- und Osteuropa in verschiedensten Varianten kultiviert

Droge:

die Blähfrucht = Capsici fructus = Cayennepfeffer (Brasilianischer Pfeffer, Indischer Pfeffer, Schotenpfeffer, Taschenpfeffer…)

Inhaltsstoffe:

Scharfstoffe, v.a. Capsaicinoide (Capsaicin, Dihydrocapsaidin, Homocapsaicin), Saponine, Farbstoffe (Carotinoide: Carotin, Violaxanthien), Flavonoide, in den frischen Früchten auch Vit.C

Wirkstoffe in der Frucht:

  • scharfes Capsaicin (schmerzlindernd, stimuliert die Ausschüttung von Endorphinen > macht glücklich; äußerlich aufgetragen blockiert es die schmerzleitenden Nerven indem es die Substanz P erniedrigt)
  • nicht scharfes Öl (Anguin)
  • Carotinoide
  • Vitamine (besonders reichlich Vitamin C)
  • ätherisches Öl
  • Salizin (ähnlich wie Azetylsalizylsäure)
  • Antioxidantien
  • Aromasubstanzen u.a.

Anwendung:

  • innerlich als Verdauunghilfe
  • zur Entwässerung
  • für Herz und Kreislauf
  • äußerlich in Form von galenischen Präparaten (Tinktur, Pflaster) gegen Rheumatische Erkrankungen und Muskelverspannungen > Hyperämisierung
  • als Gewürz und Gemüse (süße Form)

Monografie positiv, HMCP

Wissenswertes:
Bereits kurz nach der Entdeckung Amerikas durch die Spanier 1514 wurde davon berichtet. Die Pflanze wurde nach Europa gebracht, als „Spanischer Pfeffer“ bezeichnet und schnell verbreitet.

Anis

Pimpinella anisum

Anisum vulgare, Anisum officinarum, Carum anisum

Heilpflanze des Jahres 2014

andere Namen: Änis, Arnis, Brotsamen, Enis, Taubenanis, Runder Fenchel, Süßer Fenchel, Süßer Kümmel

Familie: Doldengewächs – Apiaceae/Umbelliferae
Beschreibung: einjährig, krautig, bis 70 cm hoch; doppelt gefiederte Blätter, weiße Doldenblüten. Die Frucht mit 5 hervortretenden Rippen besteht aus 2 bauchigen Teilfrüchten und enthält das ätherische Öl.
Herkunft: im Orient beheimatet; Anbau in Kulturen in Ägypten, Rußland, Indien, Mittelmeerraum, Amerika
Vorkommen: in D in Gewürzgärten, gelegentlich wild; Anbau und Importe aus südlichen Ländern

Droge: Früchte – Anisi fructus
die reifen Früchte/Samen (trockene, unversehrte 2-teilige Spaltfrüchte), sie verfügen über sogenannte Exkretzellen/Ölstriemen, die das Öl enthalten; das Öl + Anistropfen (Liquor Ammonii)
Geruch würzig, süßlich, Lakritz ähnlich
Geschmack aromatisch süß
Ernte: Pflanzen werden gemäht, getrocknet und die Samen herausgedroschen

Inhaltsstoffe

  • 2-6% äther. Öl „Anisöl“ (davon 80-94% trans-Anethol)
  • niedermolekulare Terpene: Methylchavicol/Estragol, Anisaldehyd, cis-Anethol (ein Phytoöstrogen), γ-Himachalen u.a.
  • 10-30% fettes Öl: mit Palmitin-, Petroselin-, Öl-, Linolensäure
  • Phenolcarbonsäuren
  • Flavonoide: Rutosid …
  • Zucker
  • Eiweiß

Wirkung

  • expektorierend bei Husten und Bronchitis
  • sekretolytisch (erhöhen die Sekretion der Bronchien, verflüssigen das schleimige Sekret und verstärken die Bewegung des Flimmerepithels)
  • schwach spasmolytisch auf die glatte Muskulatur, krampflösend
  • verdauungsfördernd (Sekretion der Verdauungssäfte ↑, blähungstreibend/karminativ, appetitanregend), kräftigt den Magen
  • zum Gurgeln bei Mundgeruch
  • antibakteriell
  • anmykotisch (Aspergillus flavus, Penicillium italicum)
  • antiviral (Grippe- und Kartoffelvirus)
  • antiparasitär gegen Hautparasiten und insektizid gegen Federlinge, Flöhe, Krätzmilben u.a.

Vorsicht: teilweise allergische Reaktionen möglich

Anwendung

  • Katarrhe der Atemwege
  • dyspeptische Beschwerden
  • bei Regelanomalien
  • galaktogen/milchflußanregend
  • bei Libidoverlust
  • meist in 1:1:1 Mischungen mit Kümmel (besser gegen Blähungen) und Fenchel (besser gegen Husten) – als Geschmacksverbesserer
  • als Gewürz in Plätzchen, Brot, Krautsalaten, Rotkohl, Weißkohl, Obstsuppen
  • in Anisschnaps: Pernod, Anisette, Benediktiner, Ouzo, Boonekamp
  • als Einreibung bei rheumatischen Beschwerden

positive Monografie ESCOP, MHPC

für tiere
  • Ölzucker 1 Tropfen Anisöl mit 2 g Puderzucker vermischen
  • Pferde mögen die Früchte gerne
  • das Kraut bei Husten füttern
  • innerlich: dyspeptisch, Meteorismus, leichte Krämpfe > Pulver und Aufgüsse
  • Wirkung: expektorierend, schwach spasmolytisch (entspannt die glatte Muskulatur des MDT), fördert Peristaltik, karminativ, antibakteriell, antiviral, sekretolytisch, verdauungsfördernd, blähungstreibend, Appetit anregend
  • wehenanregend, geburtserleichternd, steigert die Milchsekretion der Mutterstute
  • Kontraindikation: trächtige Stuten, Allergiker
  • Insektenabwehr, gegen Läuse und Haarlinge

Wissenswertes

  • bereits erwähnt im Papyrus Ebers (Altes Ägypten), bei Dioskurides, Plinius und Karl dem Großen
  • Hieronymus Bock (1577): für guten Atem, bei Wassersucht, eröffnet die Leber, bewegt den Harn, gegen Aufstoßen, fördert Milchfluß, gegen Weißfluß

Der NHV Theophrastus hat Anis zur Heilpflanze 2014 erwählt und einen Text und eine umfangreiche Broschüre veröffentlicht.