Schlehe / Schwarzdorn

Prunus spinosa / dregenus

Schlehdorn

Botanik:
Busch, schwarz, dornig, Heckengehölz; zuerst erscheinen im Frühjahr die Blüten, danach die Blätter (im Unterschied zum Weißdorn)

Inhaltsstoffe

  • Blüten: Amygdalin (Blausäure-Glykosid), Cumarinderivate, Flavonglykoside
  • Blätter: auch Gerbstoffe und Bitterstoffe
  • Früchte: Gerbstoffe, Amygdalin, Säuren, hoher Vitamin C Gehalt, auch B Vitamine

Wirkung: blutreinigend, stärkend

Verwendung als Lebensmittel:
Die matschigen, bläulichen Pfläumchen, die erst im Spätherbst, nach dem Frost genießbar sind, werden zu Mus gekocht und aufs Brot gestrichen. Sie können auch zu einem Schlehenwein vergoren werden.

Hildegard von Bingen

Schlehen sind mehr warm als kalt und sind auch trocken und gleichen der Vermessenheit.
… und bereite so einen Lautertrank. … denn dieser Trank ist besser als Gold. Schlehen haben nämlich eine saure und scharfe Hitze, und sie werden deshalb zu Asche gemacht … Leg auch die Früchte, also die Schlehen, in Honig ein und iss sie oft so, und die Gicht in dir wird … nachlassen. … Denn wenn dieses Frucht im Feuer gebraten oder in Wasser gekocht wird, wird ihr Saft umso besser von schädlichem Schleim gereinigt und er wird der Gesundheit umso zuträglicher sein. Wenn man die Kerne isst, schadet es nicht, wenn man die Kerne nicht mitisst, schadet es auch nicht.

Physica 3.53

Anwendung: Gicht mit Verstandesverlust oder Gliederlahmheit, Magenerkrankungen, Parasiten

Wissenswertes

  • Baum des Kampfes
  • sehr hartes Holz > für Waffen
  • Polaritäten: dunkles dorniges Holz mit weißen Blüten > Ausgleich
  • Wanderstäbe der Hexen
  • Dornenkrone Christi

Wiesenklee – Trifolium

Familie: Schmetterlingsblütler

Die drei Blätter sind im Christentum Symbol der Dreifaltigkeit; bei den Kelten Pflanze der Göttin; Vierblättriger Klee ist ein Glückssymbol; Klee schützt vor Hexerei; das Kleeblatt ist das Attribut des Hl. Patrick von Irland.

Kleekrankheit der Schafe > Unfruchtbarkeit von Tieren, die Klee fressen! Manche Kleesorten enthalten so viel Östrogen, dass Wiederkäuer, die zu viel davon fressen, Fehlgeburten erleiden.

Rotklee – Trifolium pratense

Roter Wiesenklee, Ackerklee, Futterklee, Honigklee, Honigblume, Mattenklee

Beschreibung: Blüten rosa bis rot, 10-30 cm hoch, Blütezeit Mai-September; enthalten viel Nektar > Bienenweide
Vorkommen: Fettwiesen, Wegränder, lichte Wälder; Europa, Mittelasien, Nordafrika
Droge: die Blüten – Wiesenkleeblüten (Trifolii pratenses Flos)

Inhaltsstoffe: 
hoher Eiweißgehalt; Gerbstoffe, Glykoside, phenolische Substanzen, Isoflavone (1-2,5%), aromatische Verbindungen, u.a. Methylsalicylat, Methylanthranylat, Eugenol, Eugenolethylether; organische Säuren; Genistein; Phytoöstrogene (u.a. Formononetin)

Wirkung:
antiviral, antimykotisch; Genistein verhindert Angiogenese (Neubildung von Blutgefäßen für den Tumor > wird ausgehungert)

Anwendung: 

  • bei Schleimhautentzündungen verschiedenster Art
  • bei Durchfall – als Tee auch bei Hunden
  • Umschläge zur Wundbehandlung und bei Ekzemen
  • Wechseljahresbeschwerden, Menstruationskrämpfe
  • Hausmittel: Tee, mit Honig gesüßt, zur Rekonvaleszens, gegen (Keuch-)Husten und Leberleiden, zur Blutreinigung (2-3 Tassen täglich über 4-6 Wochen), bei chronische Hautkrankheiten (Ekzeme, Schuppenflechte)

Wissenswertes: Futterpflanze, Gründünger, Bienenweide

Weißklee – Trifolium repens

Kriechklee, Holländischer Klee, Weißer Wiesenklee

Inhaltsstoffe: Gerbstoffe, ätherische Öle;
wirkt ähnlich wie Rotklee
Anwendung:
in der Volksmedizin gegen Rheuma und Gicht, Drüsenschwellungen, Frauenleiden; die Blütenköpfe eignen sich als Zusatzfutter für Hunde

Hasenklee – Trifolium arvense

Hasenfuß, Hasenpfötlein, Katzenklee, Mäuseklee

Inhaltsstoffe: ätherische Öle, Harz, Gerbstoffe
Anwendung in der Volksheilkunde bei Gicht und Diarrhoe

Hildegard von Bingen

Klee ist mehr warm als kalt und er ist auch trocken und ist nützlich als Viehfutter. Zur Arznei taugt er jedoch nicht viel, außer gegen die Verdunkelung der Augen.

Physica 1.108

Adonisröschen

Adonis vernalis

andere Namen:
Frühlings-Adonisröschen, Feuerröschen, Teufelsauge, Blutauge, falsche/böhmische Nieswurz

Hahnenfußgewächse – Ranunculaceae

GIFTIG • steht unter strengem Naturschutz

Botanik: ausdauernd, 15-30 cm hoch, kräftiger Wurzelstock, gefiederte Blätter, gelbe Blüten April bis Mai; Steppenheiden Südosteuropas > Mitteleuropa > Thüringen

Droge:
das blühende Kraut ohne die Wurzeln > Adoniskraut; geruchslos; aromatisch, bitterer Geschmack; teilweise Bestandteile von Tees oder galenischen Produkten, Tagesdosis 0,6 g

Inhaltsstoffe:
herzwirksame Glykoside vom Cardenolidtyp (digitalisähnlich, leiten sich alle von 5 Aglyka ab) Adonidosid, Adonivernosid, Cymarin, Adonitoxin; Flavonoide, Adonit, Cholin, Zuckerkomponenten (Glucose, Desoxyzucker, Xylose); Flavonol-C-Glykosyl Adonivernith

Wirkung:
positiv inotrop, venentonisierend; vermehrte diastolische Füllung, zentral beruhigend, Regulierung der Reizleitung, Diuretikum, Wurzel stark abführend

Anwendung der Fertigprodukte

  • bei Herz- und Kreislaufbeschwerden, leichte bis mittlere Herzmuskelschwäche, Herzjagen bei Hyperthyreose, nervöse Herzbeschwerden
  • positive Monografie
  • kumulieren nicht und können daher über längeren Zeitraum gegeben werden

in der Volksheilkunde zum Austreiben von Blasen- und Nierensteinen, Wassersucht, Fieber, Menstruationsstörungen

Nebenwirkungen:

  • bei Überdosis nervöse Erregung, Magen- und Darmstörungen, Übelkeit, Erbrechen, keine tödlichen Vergiftungen!
  • CAVE: haut- und schleimhauttoxisch, getrübtes Sensorium
  • beim Pferd 10% im Heu TOXISCH

Wissenswertes

  • Ovids Metamorphosen (röm. Mythus): Adonis ist der schöne Sohn des Königs von Kypros, Liebling der Venus; wird auf der Jagd von einem Eber getötet, den Mars geschickt hat; Venus verwandelt ihn in eine blutrote Blume
  • seit Hippokrates verwendet
  • 16./17. Jh.: Steinleiden, Harnbeschwerden, Wassersucht
  • 18. Jh.: Thüringen exportiert große Mengen nach ganz Europa > einheimische Vorkommen werden dezimiert

Küchenschelle

Pulsatilla vulgaris/pratensis

Kuhschelle, Osterblume, Schlafblume, Windblume, Wolfspfote

Blume des Jahres 1996

giftig • geschützt

ausdauernde Frühlingspflanze, sammeln nicht gestattet!

Droge: Kraut

Inhaltsstoffe: Scharfstoff (Protoanemonin), Saponine, Gerbstoffe

Anwendung: 
Innerlich bei Iritis, Skleritis, Netzhauterkrankungen, bei grauem und grünem Star (als Fertigextrakt); funktionelle Störungen der Genitalorgane, Neuralgien, Migräne, Unruhezustände (Homöopathie)

Monografie:  negativ

Nebenwirkungen

  • bei Berührung der frischen Pflanze Reizerscheinungen/Blasenbildung an Haut- und Schleimhäuten
  • innerlich bei hohen Dosen Nierenreizung
  • wirkt fruchtschädigend und abtreibend

Birke

Hängebirke – Betula pendula/verruche
Moorbirke – Betula pubescens

Die Moorbirke ist der Baum des Jahres 2023.

Drogen: Blätter, Borke, Saft, Teer

Inhaltsstoffe:
Flavonoide, Saponine, Betulin (färbt die Rinde weiß), ätherisches Öl, Gerbstoffe, Ascorbinsäure
Im Saft: Zucker, Öl, Vitamin C

Wirkung      

  • Blätter: harntreibend ohne nierenreizend zu sein, blutreinigend
  • Borke: antientzündliches, antibakterielles Wirkspektrum, fördert Hautregeneration und Wundheilung

Anwendung

  • Tee aus Blättern zur Durchspülung bei bakteriellen und entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege (Blasenentzündung), bei Nierengrieß und Nierensteinen
  • rheumatischen Beschwerden und Gicht
  • Durchfall
  • Frühjahrsmüdigkeit
  • Hautprobleme, Flechten, Ekzeme, Haarausfall, Schuppen (innerlich und äußerlich)
  • Birkenteer äußerlich bei Ekzem, Hautpilzerkrankung, haarwuchsfördernd
  • Birkensaft aus angebohrten Stämmen wird für Haarwasser verwendet.
  • Die Blätter/Äste für Pferde als schmackhafte, gesunde, längerfristige Kräuterzugabe.

Monografie:  positiv, ESCOP, HMPC

Darreichungsformen:

Blätter innerlich als Teeaufguss oder Presssaft

Birkenteer

Pix Betulae – dicke schwarzbraune Flüssigkeit, trockenes Destillat von Birkenholz Zweigen; für den äußerlichen Gebrauch bei Hauterkrankungen von Tieren

Wissenswertes

  • Pionierpflanze – wächst auch unter extremen Bedingungen
  • Holz hart und fest, aber leicht zu bearbeiten.
  • Gutes Brennholz: brennt sogar, wenn es feucht ist; brennt mit sehr heller Flamme.
  • Rinde ist luftgepolstert und wasserdicht.
  • Auf Birken wächst der Zunderschwamm.
  • 1. Februar ist das Fest der Birkengöttin – Imbolc – ein Fest der Reinigung und des Neubeginns
  • Birkenrinde riecht nach Leder und wurde in der Parfumherstellung verwendet – für eine „männliche“ Note. Wegen der enthaltenen Phenole ist die Verwendung mittlerweile verboten.

Hildegard von Bingen

Die Birke ist mehr warm als kalt und bedeutet das (Un)Glück.*
Wenn am Körper eines Menschen seine Haut rot und ausgebeult zu werden beginnt, als wollte sich dort eine Schwellung erheben oder als wollten Würmer ausbrechen, dann nehme man die Kätzchen oder Sprossen dieses Baumes, erwärme sie an der Sonne oder am Feuer und lege sie so warm auf die schmerzende Stelle, binde sie mit einem Tuch fest, tue das oft, und jene Schwellung wird verschwinden.
Denn die Wärme dieses Holzes hat eine gute Ausprägung und einen guten Saft, und wenn sie an der Sonne oder am Feuer aktiviert und durch dieses Feuer schlechter Saft ausgekocht wird, dann vermindert sie die schädlichen Körpersäfte der aufkommenden Schwellung.

Physica 3.32

* Anmerkung: in überlieferten Handschriften gibt es sowohl Glück als auch Unglück.
Ich könnte mir vorstellen, dass dies mit den zwei Farben der Rinde zu tun hat.