Knoblauchrauke

Lauchkraut • Alliaria petiolata

Kreublütler / Brassicaceae

Inhaltsstoffe:
ätherische Öle, Senfölglykoside, Glukosid Sinigrin, Saponine, Karotin, Vitamine, Mineralien

Wirkung:
antiseptisch und wundheilend, leicht harntreibend, schleimlösend

Verwendung:
äußerlich bei Insektenstichen; frische, rohe Pflanze als Gewürz (knoblauchartiger Geschmack); Samen scharf, wie Pfeffer anwenden

Tulpe

Tulipa gesnerana

Liliengewächs – Liliaceae

Botanik: eigentliche Heimat ist Vorderasien, überall in Europa als Zierpflanze angebaut

Droge: die Zwiebel – Tulpae bulbus

Wirkstoffe:
Alkaloid Tulipin, Tuliposid A, B, C mit antibiotischer Wirkung und Hemmwirkung auf das Pilzwachstum

Anwendung
Wird in der klassischen Pflanzenheilkunde kaum verwendet, aber als Gesamtauszug im Fertigpräparat bei:

  • Entzündungen im Hals- und Nasenbereich
  • Behandlung von Geschwüren
  • rheumatischen Krankheiten

Myrrhe

pflanzliches Harz; gewonnen von Commiphora-Bäumen (Familie: Burseraceae); ca. 100 bekannt; „kommi“ = Gummi, „pherein“ = tragen; früher auch Balsamodendron genannt

Botanik:
dornige, verzweigte Sträucher oder kleine Bäume die auf steinigem Boden wachsen; kleine ovale Fiederblättchen; Früchte ähneln denen der Olive; die duftenden Stämme und Äste scheiden auf natürliche Weise Tropfen des öligen Harzes aus:

  • Commiphora molmol/myrrha: ca. 3 m hoher Baum aus Somaliland, liefert duftendes bräunliches bitteres Harz → Somali-Myrrhe (echte Myrrhe)
    Arzneipflanze des Jahres 2021
  • Commiphora abyssinica in Arabien → arabische Myrrhe „mor“
  • Commiphora gileadensis: Balsambaum der in Judäa wächst → Balsam
  • Commiphora wildii: namibische Myrrhe
  • Commiphora opobalsamum → Mekkabalsam: nicht mehr rein zu erhalten, Verwendung als Gemisch in der Homöopathie
  • Commiphora mukul → „gum-guggulu“ Harz in der ayurvedischen Medizin

Arzneidroge:

nach Anritzen der Rinde tritt der gelbliche Saft aus und trocknet an der Luft zu Gummiharz (Myrrha, Gummi Myrrha); Geruch aromatisch, Geschmack stark bitter bis gewürzhaft; haftet beim Kauen an den Zähnen

  • Ogo-Myrrhe: gelb, trocken, bröckelig, sehr bitter
  • Guban-Myrrhe: rötlich, weich, nicht so bitter
  • Bisabol-Myrrhe: süße oder falsche Myrrhe

Darreichungsform als
Tinctura Myrrhae in div. Kombinationspräparaten

Inhaltsstoffe:

25-40 % Harz, 2-10 % ätherisches Öl, 50-60 %, Rohschleim oder Rohgummi mit etwa 20 % Proteinen und etwa 65 % Kohlenhydraten; Myrrha-Bestandteile zählen zu den Terpenen (Sesquiterpen, Sesquiterpenlacton)

Das indische „gum-guggulu“ enthält Guggulusterone → senken Cholesterin- und Lipid-spiegel (evtl. über Einfluß auf Schilddrüsenfunktion) + Inhibierung der Blutplättchen-aggregation → wird als Mittel bei ischämischen Herzkrankheiten angewendet

Wirkung:

schwach adstringierend, desinfizierend, desodorierend, granulationsfördernd, antimikrobiell, aktiviert Phagozyten → unterstützt Immunsystem

Indikation:

  • bei Stomatitis und Gingivitis, Dentitionsbeschwerden, zur Zahnfleischmassage bei Prothesenträgern
  • unspezifische Entzündungen im Mund- und Rachenraum (Pinselung)
  • Atemwegsinfekte (Sinusitis, Bronchitis)
  • Hautinfekte durch Viren (Herpes simplex) und Staphylokokken (Abszesse und Furunkel)
  • Therapie und Prophylaxe unspezifischer Darminfektion (u.a. bei Klimawechsel)
  • in der Aromatherapie: erdet und beruhigt – gegen innere Unruhe und Stress, bei Gedankenflucht und zu viel Kopfarbeit
  • in der Kosmetik zur Parfümierung von Seifen, Mundwässern, Zahnpasta
  • traditionell in der ägyptischen Volksmedizin als Pulver noch heute verwendet für Salben und Pflaster bei Wunden und Geschwüren und als Pillen bei chronischen Lungenkararrhen
  • Nebenwirkungen: bei unverdünnter Anwendung von Myrrhentinktur können vorübergehend leichtes Brennen und Geschmacksirritationen auftreten

Geschichte:

  • wird im Papyrus Ebers und in der Bibel erwähnt
  • zur Balsamierung und als Aphrodisiaka
  • beliebtestes und wertvollstes Harz
  • Bestandteil von heiligen Ölen und Schönheitsmitteln
  • Weihrauch und Myrrhe kamen über die „Weihrauchstraße“, eine der ältesten Karawanenhandelsstraßen, aus Arabien über Mekka zum Mittelmeer.
  • in der Antike als Gewürz im Wein
  • Jesus bekam Myrrhe vor seiner Kreuzigung gereicht, sein Körper wurde später von Nikodemus in Leinentücher und eine Mischung aus Myrrhe und Aloe eingehüllt
  • enthalten im Augsburger Lebenselixier

Hildegard von Bingen

Myrrhe ist heiß und trocken.
Und wenn du Myrrhe bei dir tragen willst … damit sie von deinem Fleisch und Schweiß erwärmt wird:
Sie hält Trugbilder und Zauberkünste und Zaubersprüche und Anrufungen von Dämonen mittels schlechter Worte und verzauberter Kräuter von dir fern, …
Und da die Myrrhe selbst die unerschütterliche Kraft der Erde besitzt, erträgt sie nichts Lügenhaftes, sondern vertreibt alle Scheingebilde, und der Teufel schreckt vor ihr zurück, weil ihre Natur unerschütterlich und unbeirrbar ist. …
Und wenn Rindern ein rheumatischer Ausfluss aus den Nüstern fließt, so dass sie in der Kehle klingen, als ob sie Husten hätten, dann nimm Myrrhe und Weihrauch, so dass es mehr Myrrhe als Weihrauch ist, und leg sie über glühende Kohlen und lass den Rauch in ihre Nüstern steigen. Denn die kraftvolle Hitze der Myrrhe und die kraftvolle Hitze des Weihrauchs, angeregt mit der erhöhten Hitze des Feuers, vertreiben das faulige Übel, das von der Kälte der Natur kommt.

Anwendung:
gegen Zauberei, bei Gelbsucht und Gicht, gegen Begierde, bei Magenschmerzen, Fieber, als Inhalation für kranke Rinder

Physica 1.177

„And because Myrrhe has the unshakable power of the earth, she does not bear any mendacity, but banishes every illusion and the devil shrinks back, because her nature ist strong and consistent.“


Im Shop habe ich ein duftendes Ätherisches Öl der Namibischen Myrrhe / Commiphora wildii von Mbiri.

Fotos mit freundlicher Genehmigung von Mbiri – Naturkosmetik aus Namibia

Waldmeister

Galium odoratum

Familie: Rötegewächs – Rubiaceae

Beschreibung: 10-30 cm, mehrjährig, Blütezeit April bis Juni, unterirdisch kriechende Ausläufer, hakig-borstige Früchte

Vorkommen:  lichte Laubwälder; mullreichen, nicht zu trockenen, mäßig basen- und stickstoff-salzhaltigen Lehmboden, gern auf Kalk

Inhaltsstoffe:  
Cumaringlykosid mit typischem Duft, Iridoide, Gallussäure, Kaffeesäure, Vanillin u.a.

CAVE zu viel Cumarin erzeugt starke Kopfweh!
Bei längerfristigem Gebrauch sind Leberschäden möglich.

Anwendung

  • in der Parfümerie
  • für Maibowle (max. 3 g frisches Kraut pro Liter)
  • als Geschmacksstoff für Lebensmittel
  • in der Volksheilkunde bei Unruhezuständen, Kopfschmerzen und Migräne, Schlaflosigkeit, Herzbeschwerden, Leberstauung, Schwermut

Alraune

Mandragora officinalis

anderer Name: Menschenwurzel, Zauberwurzel

Giftpflanze

Familie: Nachtschattengewächs/Solanaceae

Herkunft: südöstliches Mittelmeer

Beschreibung:
grünlich-weiße, blaue oder violette Blüten im März/April;
Blattrosette mit fleischigen Blättern; kugelige „goldene“ Früchte sind genießbar

im Botanischen Garten der CAU Kiel

Sammelgut: 
Wurzel (kann bis 60 cm lang werden) – hat oft menschenähnliche Gestalt

Inhaltsstoffe der Wurzel:
Wurzel enthält giftige Alkaloide (Atropin, Hyoscin, Hyoscyamin)

Wirkung:        

  • gelbe Früchte – dudaim – als Brech- und Abführmittel
  • Wurzel-Aufgüsse wirken auf das ZNS > Sinnestäuschungen, Potenzsteigerung

Anwendung im Mittelalter:

  • als Abführ- und Brechmittel
  • starkes Narkosemittel
  • in Salben gegen Geschwüre

Im Mittelalter ließ man Hunde die Wurzel herausziehen, um nicht von dem Geschrei verrückt zu werden.
(Bild aus dem Tacuinum Sanitatis)

Gekreisch wie von Alraunen, die man ausreißt,
das Sterbliche, die’s hören, rasend macht.

Shakespeare: Romeo und Julia


Wissenswertes:

  • auf ägyptischen Grabmalereien zu sehen
  • bei den Assyrer eingesetzt als Schlaf- und Schmerzmittel
  • Hippokrates beschreibt, dass die Pflanze zu Visionen und zum Delirium führen kann.
  • Liebesäpfel der Aphrodite
  • im Hohelied Salomons erwähnt
  • runa = Geheimnis
  • Alruna ist eine altgermanische Fee.
  • Im Mittelalter glaubte man, sie würde nur unter einem Galgen aus dem Urin und Sperma der Erhängten wachsen.
  • Bekannt aus den Harry Potter Büchern.

Hildegard von Bingen

Mandragora, also die Alraune, ist heiß und eine bisschen wässrig und breitet sich von der Erde aus, aus der Adam geschaffen wurde, und ähnelt deshalb dem Menschen ein wenig, aber sie ist doch eine Pflanze.
Wegen der Ähnlichkeit mit dem Menschen ist die Einflüsterung des Teufels bei dieser Pflanze stärker ausgeprägt und heimtückischer als bei anderen. Deshalb wird der Mensch durch sie auch in seinen Wünschen ermuntert, seien sie gut oder schlecht, wie er es auch einst mit den Götzenbildern getan hat.
Wenn die Wurzel aus der Erde ausgegraben wird, soll man sie schnell einen Tag und eine Nacht lang in eine sprudelnde Quelle legen: So wird jedes Übel und der widrige Saft in ihr entfernt, das heißt ausgebeizt, so dass sie nicht mehr zu Magischem und Phantastischem taugt. Wenn sie aber aus der Erde gezogen und dann mit der daran haftenden Erde abgelegt wird, so dass sie nicht, wie gesagt, in der Quelle gereinigt wird, dann entfaltet sie schädliche Wirkung hinsichtlich vieler Übel magischer Zaubereien, wie auch einmal viel Schlechtes mit Götzenbildern angerichtet wurde. …
Auch wenn ein Mensch in seiner Natur so zerfließt, dass er immer traurig bleibt und immer in Jammern verharrt, so dass er dadurch dauernd Erschöpfung und Schmerz in seinem Herzen hat, der nehme Alraune, wenn sie bereits aus der Erde gerissen ist und lege sie neben sich in sein Bett, so dass die Pflanze von seinem Schweiß erwärmt wird und er selbst die Hitze dieser Pflanze aufnimmt, und er soll sprechen: „Gott, der du den Menschen ohne Schmerz aus dem Staub der Erde geschaffen hast: Ich lege jetzt diese Erde, die niemals betreten wurde, neben mich, damit auch meine Erde jenen Frieden spürt, wie du ihn geschaffen hast.“ …

Physica 1.56

Anwendung bei: Begierde, für das Gemüt und als Universalmittel

Giovanna Garzoni, Italienische Malerin, 1600-1670