Botanik: 500 Arten bekannt ; die Wurzeln stehen unter Schutz; Europa, Vorder- und Zentralasien; Anbau in Türkei und Bulgarien; Wurzelstock mit Faserwurzeln, grundständige Blätter, Stängel mit Blütendolden ; kalkliebend
Droge: die Wurzel und selten die Blüten; Ernte: Blüten im Frühjahr, Wurzel im September
Inhaltsstoffe Wurzel: Triterpensaponine, Phenylglykoside (Primverin, Primverosid, Primulaverosid), ein Flavon, ätherisches Öl, Kieselsäure, Gerbstoff ; riecht nach Anis, schmeckt kratzend und bitter
Wirkung: schleimlösend, expektorierend, reizlindernd, harntreibend, antimikrobiell ; die Saponine reizen die Magenschleimhaut, wodurch reflektorisch das unwillkürliche Nervensystem angeregt wird > Steigerung des Bronchialsekretes und Förderung des Auswurfes
Anwendung: als Urtinktur (wirksame Bestandteile gehen beim Trocknen verloren); festsitzender Husten mit zähem Sekret, Altershusten, Katarrhe der Nasennebenhöhlen
Volksmedizin: Migräne, Herzbeschwerden, Neuralgie, Gicht, Rheuma, Schlaflosigkeit; Blätter auch > bei Schlaflosigkeit; Schlüsselblumensirup gegen Lähmungen
CAVE: Allergie !! bei Überdosis Durchfall und Erbrechen
Wissenswertes:
Becherprimel/Giftprimel aus China enthält in den Drüsenhaaren Sekrete, die die Primeldermatitis verursachen
nordische Pflanze > in der antiken Medizin unbekannt
Klosterheilkunde: gegen Schlaganfall und Gicht, herzstärkend, Erkältung, Harnsteine, Wundbehandlung
Pflanzenzauber: Blüten gegessen helfen als Schutz gegen Dämonen und Fieber; Bestandteil von Liebestränken
Destillat als Gesichtswasser
Primelpulver reizt die Nasenschleimhaut > Niesen
durch Hummeln und Bienen bestäubt
Blume des Jahres 2016
Hildegard von Bingen
Die Schlüsselblume ist warm und hat ihre ganze Grünkraft und ihre Wirkung vom hohen Sonnenstand; manche Kräuter werden nämlich hauptsächlich von der Sonne gestärkt, manche aber vom Mond und wieder andere gleichzeitig von Sonne und Mond. Dieses Kraut jedoch nimmt seine Kräfte vorwiegend von der Sonne, deshalb unterdrückt es auch die Schwarzgalle im Menschen. Denn wenn die Schwarzgalle im Menschen aufsteigt, macht sie ihn traurig und in seinem Wesen unruhig und lässt ihn Worte gegen Gott hervorbringen. …
Physica 1.199
Anwendung: gegen Melancholie, bei Fiebern, Gicht und Lähmungen
(Hildegard ist die erste, die die Schlüsselblume in einem Arzneibuch erwähnt.)
Boswellia sacra mittelgroßer Strauch mit gefiederten Blättern und kleinen, grünlichen oder weiße Blüten; Harz wird auf natürliche Weise ausgeschieden; Vorkommen in Südarabien; der klassische Weihrauch seit der Antike, stark gefährdet durch Übererntung
Boswellia carteri und Boswellia frereana Vorkommen in Somalia
Boswellia serrata und Boswellia glabra indischer Weihrauch Salai guggal, heute am häufigsten verwendet
Droge
Pflanzenprodukt – aus den Einschnitten in Stamm und Äste ausgetretenes Gummiharz, bräunlich-gelbe Farbe Geruch: schwach aromatisch Geschmack: aromatisch bitter Olibanum = gutes Öl
Gewinnung
1 bis 2 Ernten jährlich; die Stämme werden im März/April angeschnitten → der in der sekundären Rinde in Exkretbehältern (spezielle Zellen) befindliche Milchsaft tritt aus und erhärtet an der Luft zu Gummiharz; die austretenden Tropfen sind glänzend, gelblich oder rötlich und haben einen sehr bitteren Geschmack; geerntet werden ca. 1 kg Harz pro Jahr pro Baum
Weihrauch-Öl antimikrobiell gegen Bakteria carteri (Staphylo. aureus, Sarcina lutea, Mycobact. phlei, Bacillus subtilis, E. coli, Neisseria catarrhlis)
Boswellinsäuren könnten spezifische Hemmstoffe der 5-Lipoxygenase in der Komplementkaskade sein → Hemmung der Leukotriensynthese (Anwendung bei Colitis ulcerosa, Morbus Crohn…)
Rauch vertreibt Malaria-Moskitos (daher wurden schon im Altertum Gebäude damit ausgeräuchert)
Anwendung
phytotherapie
adjuvant bei chronischer Polyarthritis
zur Remissionsbehandlung entzündlicher Schübe bei Colitis ulcerosa und Morbus Crohn
Asthma bronchiale
klostermedizin
Husten, Erbrechen, Durchfall, Hautkrankheiten, für positive Stimmung und gutes Gedächtnis
aromatherapie
reinigend, stimmungsaufhellend, aphrodisierend, antidepressiv, mental stärkend, entspannend; für mehr Energie; bei Meditationen
Ayurveda
zur Behandlung chronischen rheumatischen Entzündungen – als Trockenextrakt Sallaki
bei Tieren
Verbesserung bei intermittierender Lahmheit, lokalen Schmerzen und steifem Gang wurde bei Hunden nachgewiesen
Nebenwirkungen
nicht auf nüchternen Magen einnehmen > Magenbeschwerden
Hautirritationen und Pruritus möglich
evtl. abortiv
Monografie: keine
Den Göttern Weihrauch, den Menschen Lob.
– Pythagoras –
Wissenswertes & Geschichte
Bereits in der Steinzeit als Zahnpflege-Kaugummi
Im alten Ägypten zum Räuchern (Gastmahle, Hochzeiten, Opfer), für medizinische Zwecke und als Parfümzusatz
Pharaonin Hatschepsut importierte Pflanzen und versuchte vergeblich einen Anbau in Ägypten.
zählte zu den Tempelschätzen der Juden – hebräischer Name: Lenovah
Megaleion = Edelsalbe aus Weihrauchharz, Zimt und Kassia gelöst in ägyptischem Zachunöl
Im Canon medicinae des arabischen Arztes Avicenna heißt es: „nützt dem Verstand und stärkt ihn“
Kam über die „Weihrauchstraße“, eine der ältesten Karawanenstraßen aus Arabien zum Mittelmeer.
Im Kräuterbuch Macer floridus (11. Jhdt.) wird erwähnt, dass Weihrauchduft die Gedächtnisstärke des Gehirns vermehre.
Südarabische Frauen setzen sich über Weihrauchbrenner um ihre Fruchtbarkeit zu steigern und sich auf den Geschlechtsakt vorzubereiten.
Beduinen kauen ihn gegen Bauchweh.
Inzens = Räucherung im Gottesdienst der kath. Kirche
Gemeiner Weihrauch = Fichtenharz aus Ameisenhaufen
Russischer Weihrauch = aus Schwarzkiefern
Hildegard von Bingen
Weihrauch ist mehr warm als kalt. Sein Duft ist auch ohne Feuer nützlich und besser, als (wenn) er vom Feuer aufsteigt, weil er die Augen klar macht und das Gehirn reinigt, denn seine gute Wärme mildert die Schwere der kalten Säfte der Brust, die sie abgeben.
Physica 1.176
Der Baum, aus dem Weihrauch ausschwitzt, ist heiß. Ein Mensch, der Skrofeln an seinem Körper hat oder dessen Fleisch ein Wurm annagt, soll Rinde und Blätter dieses Baumes nehmen, in einem Mörser zerstoßen, dann Fett zugeben und so in Wasser kochen. So soll er daraus eine Salbe bereiten und damit die Stelle der Skrofeln beziehungsweise den Ort, wo die Würmer das Fleisch des Menschen verzehren, oft einreiben: Durch die Wärme und Wirkkraft dieses Baumes, vermischt mit der Wärme des Fetts, werden jene Skrofeln verschwinden, und der Wurm wird sterben.
Physica 3.0-2
Anwendung: für Augen und Gehirn, bei Kopfschmerz, Fieber, zur Räucherung des Gehörgangs; Plätzchen als Riechmittel
Wie immer: keine Haftung für diese Rezepte!
Frankincense • Ätherisches Öl aus Weihrauch von dôTerra
Die Mören gesotten / sindt lieblich zu essen / dem magen nützlich / treiben den harn / bringen lust zur speiss / und zu den ehlichen wercken. Der dürre samen gepuluert / und in wein eingenommen / isst gutt denen / so den heschen haben / und grimmen im leib. Er treibt den stein / und die weibliche blumen. Wider den stein: Nim Mören sampt den blettern / und samen / seudts in wasser / geuss in ein wanne / und sitz darein / es hilft.