Frauenmantel

Alchemilla vulgaris

Familie: Rosengewächs

Herkunft: fast ganz Europa

Beschreibung: mehrjährige Staude, grüngelbe Blüten von Mai bis September; große Blätter, teilweise behaart; 10-20 cm mehrjährig

Vorkommen: Wiesen, Waldränder; meist feucht-lehmig

Sammelgut: Blätter oder auch Kraut (seltener), während der Blüte gesammelt

Inhaltsstoffe:      
Gerbstoffe, Flavonoide, Bitterstoffe
nahezu geruchslos; Geschmack leicht bitter und adstringierend

Wirkung:
verdauungsregulierend, blähungstreibend, heilungsfördernd

Anwendung:

  • Monografie positiv: harntreibend, krampfstillend, bei unspezifischen Durchfällen
  • traditionell:
    innerlich:  Klimakterium, Unterleibsbeschwerden, Menstruationsbeschwerden, Myome, Zysten, Durchfall, Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes, unspezifischen Entzündungen und Blutungen
    äußerlich: adstringierend – als Waschung etc.
  • PFERD: wird gerne gefressen,
    für trächtigen Stuten zur Geburtserleichterung – ab 2 Wochen vor dem Termin bis zu 4 Wochen danach

Wissenswertes:
An den Blattzähnen befinden sich Wasserspalten, aus denen in feuchten Nächten Wasser in Tropfenform ausgeschieden wird = Guttation.

Verwandte: Silbermantel, Alchemilla xanthochlora, Alchemilla alpina

Beinwell

Symphytum officinale

Beinwurz, Bienenkraut, Schwarzwurz, Wallwurz

Familie: Rauhblattgewächse – Boraginaceae

Beschreibung:
mehrjährig, 40-90 cm, Stängel ist saftig und behaart; Blütezeit von Mai bis August; tiefreichende schwarze Pfahlwurzel; Blüten weiß, gelb, rot, violett oder blau

Vorkommen:  
entlang von Ufern, lichte Stellen in Wäldern, an Wegen und Wiesen; liebt feuchten Lehmboden

Droge

  • Wurzel – verdirbt schnell                     
  • Blätter – Laubblätter getrocknet
  • Kraut – alle oberirdischen Teile

Inhaltsstoffe        

  • Blätter und Kraut: Allantoin, Gerbstoffe, Rosmarinsäure, bis 7% Schleimstoffe, Spuren von Alkaloiden
  • Wurzel: Allantoin, bis 20% Schleimstoffe (Fructosane), Cholin, Gerbstoffe, Rosmarinsäure, Stärke, Triterpene, Sterole, Kieselsäure, kleine Mengen Alkaloide

Wirkung

  • fördert die Neubildung von Geweben und Kallusbildung bei Knochenbrüchen
  • abschwellend, antientzündlich
  • lokal reizend
  • Allantoin löst Wundsekret auf, verflüssigt Eiter, regt die Granulation an

Anwendung

  • als Paste äußerlich bei Gelenkentzündungen, Schwellungen, Prellungen, Blauen Flecken und Dekubitus (aber nicht auf offenen Wunden)
  • positive Monografie
  • innerlich: chronische Entzündungen der Atemwege, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren, Durchfall

zu beachten:
nicht länger als 4 Wochen (max. 6 Wochen im Jahr),
nicht während der Schwangerschaft/Trächtigkeit

Wissenswertes: 
• verwandt mit Borretsch
• symphyo = ich wachse zusammen

Hildegard von Bingen

Beinwell – Consolida – ist kälter als warm. Und wenn der Mensch ihn ohne rechtes Maß isst, gibt er alle Säfte, die in ihm richtig geordnet sind, preis.
Wenn aber ein Glied am Menschen hilflos und geschwürig und verwundet ist, verfolgt er, wenn man ihn isst, umgehend jenen Schleim, der dort austritt, und heilt diesen Schleim und die Geschwüre oben auf der Haut und nicht innen im Fleisch.

Physica 1.146

Artikel von Johannes G. Mayer für die Zeitschrift für Phytotherapie auf Academia.edu:

Johanniskraut

Tüpfelhartheu, Blutkraut, Wundkraut, Herrgottskraut

Hypericum perforatum

Arzneipflanze des Jahres 2015

Familie: Hypericaceae

Vorkommen: Wiesen, Wegränder
Blütezeit: zur Sommersonnenwende Ende Juni

Droge

das Kraut
während der Blütezeit gesammelte oberirdische Teile
Geruch schwach
Geschmack herb bitter, adstringieren

das Öl = Rotöl

Inhaltsstoffe

  • Hypericin (der rote Farbstoff)
  • Hyperforin
  • Flavonoide (Flavon- und Flavonolglykoside: Hyperosid, Quercitrin, Rutosid…)
  • Gerbstoffe
  • Xanthone
  • Ätherisches Öl
  • u. a.

Die kleinen schwarzen Punkte auf Blüten und Blättern enthalten das Hypericin.

Zerreibt man die Blüte,
dann werden die Finger rot gefärbt.

Wirkung

  • antidepressiv
  • hemmt Wiederaufnahme der Neurotransmitter Serotonin, Noradrenalin, Dopamin
  • wirkt auf das ZNS, Steigerung der kognitiven Leistungsfähigkeit möglich
  • antiviral
  • antiproliferativ / wachstumshemmend
  • antiphlogistisch / entzündungshemmend
  • apoptoseinduzierend (Apoptose = ständiges Sichabstoßen von Zellen aus dem Gewebe)
  • wirkt auf Hormonhaushalt
  • führt zu Photosensibilisierung – das Hypericin lagert sich in der Haut ab
    CAVE: bei Weidetieren kann es durch Aufnahme des Krautes zu Blasen, Juckreiz und Entzündung führen
  • Wechselwirkungen mit Medikamenten möglich

Anwendung

  • depressive Verstimmungen, Angst, nervöse Unruhe
  • langfristige Einnahme – die Wirkung setzt erst nach mehreren Tage ein
  • das Öl äußerlich bei Traumen, Verbrennungen, Myalgien und zur Massage

Monografie positiv

Es ist nicht möglich, dass eine bessere Arznei für Wunden in allen Ländern gefunden wird.

Paracelsus

Wissenswertes

  • Hält man die Blätter gegen das Licht, so erscheinen sie „perforiert“ – daher der lateinische Name. Die hellen Stellen sind die Sekretbehälter für das Öl.
  • Sommersonnwendfeiern – Johannistag 24. Juni – Beginn der Blütezeit
    Johanniskräuter: Beifuß, Holunder, Arnika, Ringelblume und andere Wiesen-/Sommerkräuter werden zu Gürtel oder Kranz gebunden
  • Roter Farbstoff Hyperizin aus den Blüten galt als Blut Gottes bzw. als Blut des geköpften Johannes.
  • Das Kraut konnte den Teufel vertreiben – „fuga daemonicum“.

Quelle: Kooperation Phytopharmaka
produkte mit johanniskraut

Zuchtform als Gartenpflanze

Kamille

verschiedene Arten

Familie: Asteraceae

Blütezeit: Mai und September

Beschreibung: aufrechte, krautige Pflanze mit verzweigtem Stängel und doppelt gefiederten Blättern; die Blütenköpfchen besten aus gelben Scheibenblüten, umgeben von weißen Zungenblüten, die bei den älteren Blüten nach unten klappen; charakteristisch ist der hohle Blütenboden bei der Echten Kamille, der gefüllte bei der Hundskamille

Vorkommen:
Europa, Mittelasien, Amerika, Australien; auf Feldern, Wiesen und an Wegrändern

Hundskamille Anthemis

Echte Kamille – Matricaria recutia/chamomilla

verwendete Pflanzenteile: Blütenköpfchen
Sammelzeit während Blütezeit im Mai
Droge aus Feldanbau Mittelmeerländer
man unterscheidet 4 Handelskamillen – je nach enthaltenem Bisaboloid-Typ (Sesquiterpenderivat) – Blütenboden muss hohl sein

Geruch: aromatisch angenehm
Geschmack: etwas bitter

Inhaltsstoffe:
ätherisches Öl (Bisabol, Matricin), Chamazulen, Flavonoide (Apigenin), Cumarine (Aesculetin, Herniarin, Umbelliferon), Phenolcarbonsäuren (Anissäure, Chlorogensäure, Kaffeesäure, Vanillinsäure…), Schleimstoffe, Mineralstoffe

Wirkung:

  • antiphlogistisch/entzündungshemmend, antimikrobiell, granulationsfördernd, sekretolytisch, spasmolytisch/krampflösend, verdauungsfördernd, karminativ
  • antiphlogistisch + wundheilungsfördernd und muskulotrop spasmolytisch Prostaglandinsynthesehemmung, Antihistamin- und Antiserotoninwirkung, Radikalfängereigenschaften
  • antiödematös auf die Blutgefäße
  • antimikrobiell bei Staph, Strept, Herpes Viren, Polioviren
  • antiulzerogen und ulzerokurativ bei Ulzera ventriculi et duodeni
  • äußerlich: wundheilend und antibakteriell, fördert Epithelisierung und Granulation verletzter Haut

Anwendung: 
Inhalation (bei Erkältung), Bäder, Tee (3-4x tägl. 1 Tasse); Spasmen und entzündliche Erkrankungen im MDT, Meteorismuse; bei Zahnfleisch-, Haut- und Schleimhautentzündungen, nicht eitrige Angina tonsillaris

Monografie positiv, ESCOP, WHO

Nebenwirkungen:

  • nicht bekannt
  • nicht am Auge verwenden > reizend
  • CAVE Allergien!
  • Pferde können bei dauerhafter Gabe unruhig und unwillig werden
Quelle: Kooperation Phytopharmaka

Strahlenlose Kamille – Matricaria matricarioides

Droge: Blüten • Anwendung: wie oben • keine Monografie  

Römische Kamille
Chamaemelum nobile/Anthemis nobilis

Droge: Blüten • Anwendung: akute Gastritis • keine Monografie

Aromatherapie: Das Ätherische Öl ist tiefblau und recht teuer.
Anwendung bei Entzündungen, bei Migräne, Kopfschmerzen, Schockzuständen; zur Beruhigung und Nervenstärkung bei Stimmungsschwankungen; für mehr Gelassenheit in stressigen Situationen

Erdbeere

Walderdbeere – Fragaria vesca

Familie: Rosengewächs – Rosaceae

Beschreibung:
8-15 cm, Staude, lange oberirdische Ausläufer, wurzelnd

Vorkommen:      
Waldränder, Kahlschläge, Böschungen; liebt lehmigen Boden mit Stickstoffsalz

Botanik:
Die Beere ist eine Scheinfrucht = Sammelfrucht mit Nüßchen; Vermehrung durch Ausläufer

Wild im Wald – klein und zuckersüß!

Inhaltsstoffe

  • Blätter: Gerbstoffe, ätherisches Öl, Vitamin C, Flavonoide
  • Wurzel: Gerbstoffe
  • Früchte: Zucker (8% des Frischgewichtes), Vitamin C (30-50 mg pro 100 g Frischgewicht), Fruchtsäuren, Mineralstoffe (ca. 600 mg pro 100 g Frischgewicht)

Anwendung

  • Blätter und Wurzel als Gerbstoffdrogen – zum Gurgeln bei Entzündungen im Mund-und Rachenbereich – bei Durchfällen
  • Sebastian Kneipp empfiehlt Erdbeerblättertee für kränkelnde Kinder.
  • Volksheilkunde:
    Walderdbeeren für Herz, Leber, Galle, Nerven, bei Blutarmut, Gicht, Rheuma;
    Erdbeerblättertee blutreinigend, nervenberuhigend, Wassersucht, Frauenleiden
  • Scheinfrüchte „Beere“ essbar
  • Die gezüchteten Sorten enthalten nicht so viele gesunde Inhaltsstoffe wie die wilden Walderbeeren.
  • Allergien sind möglich!
Die gelben Nüsschen sind bei den gezüchteten Sorten gut zu erkennen.

Hildegard von Bingen

Das Kraut, an dem die Erdbeeren wachsen, ist mehr warm als kalt. Es ruft beim Menschen, der es isst, Schleim hervor und taugt nicht als Arznei.
Auch die Früchte, also die Erdbeeren, bewirken etwas wie Schleim im Menschen, der sie isst, und taugen weder einem gesunden noch einem kranken Menschen zum Verzehr, weil sie nahe der Erde wachsen und weil sie auch in lauwarmer Luft gedeihen.

Physica 1.171

Vom Mittelalter bis ins 16. Jh. diverse Darstellungen in der Kunst:

  • Symbol der Verlockung und der Weltlust
    > Bertram – Grabower Altar
    > Bosch – Garten der Lüste
  • Speise der Seeligen und der früh verstorbenen Kinder
  • Paradiespflanze (Paradiespforte des Magdeburger Doms)
  • Mariensymbol
  • Darstellung Blüte (weiß, Reinheit) zusammen mit Frucht (rot, Christi Blut)
    > Maria in den Erdbeeren
    > Grien – Ruhe auf der Flucht nach Ägypten
  • Trinitätssymbol wegen der 3 Blätter