Frauenmantel

Alchemilla vulgaris

Familie: Rosengewächs

Herkunft: fast ganz Europa

Beschreibung: mehrjährige Staude, grüngelbe Blüten von Mai bis September; große Blätter, teilweise behaart; 10-20 cm mehrjährig

Vorkommen: Wiesen, Waldränder; meist feucht-lehmig

Sammelgut: Blätter oder auch Kraut (seltener), während der Blüte gesammelt

Inhaltsstoffe:      
Gerbstoffe, Flavonoide, Bitterstoffe
nahezu geruchslos; Geschmack leicht bitter und adstringierend

Wirkung:
verdauungsregulierend, blähungstreibend, heilungsfördernd

Anwendung:

  • Monografie positiv: harntreibend, krampfstillend, bei unspezifischen Durchfällen
  • traditionell:
    innerlich:  Klimakterium, Unterleibsbeschwerden, Menstruationsbeschwerden, Myome, Zysten, Durchfall, Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes, unspezifischen Entzündungen und Blutungen
    äußerlich: adstringierend – als Waschung etc.
  • PFERD: wird gerne gefressen,
    für trächtigen Stuten zur Geburtserleichterung – ab 2 Wochen vor dem Termin bis zu 4 Wochen danach

Wissenswertes:
An den Blattzähnen befinden sich Wasserspalten, aus denen in feuchten Nächten Wasser in Tropfenform ausgeschieden wird = Guttation.

Verwandte: Silbermantel, Alchemilla xanthochlora, Alchemilla alpina

Buche – Fagus

Verwendung

  • Holz hat hohen Heizwert
  • Früchte (Bucheckern) enthalten 40 % Fett > Herstellung von gutem Speiseöl
  • bei den Kelten zur Herstellung von Seife
  • Holzteer (Herstellung durch trockene Destillation = Erhitzen unter Luftabschluss) zur Behandlung von trockenem, chronischem Ekzem
  • in der Volksheilkunde als Einreibung/Salbe bei Hautleiden, Gicht, Rheuma
  • Bachblüte Beech

Wissenswertes

  • früher sehr große Buchenwälder in Europa
  • gedeiht auch auf mageren Böden
  • lässt fast kein Sonnenlicht durch, da ihre Stammrinde sonnenbrandempfindlich ist
  • Symbol für Strenge, Disziplin
  • zur Herstellung von Orakelstäben (Buchstaben)
bei der Hunderunde entdeckt

Hildegard von Bingen

Die Buche besitzt eine richtige und gleichmäßige Mischung von Wärm und Kälte, und beides in ihr ist gut, und sie bedeutet Disziplin.
Wenn jemand aus Buchenblättern, wenn sie neu und frisch sind, ein Mus bereitet und isst, schadet es ihm nicht. Auch wenn jemand die Frucht der Buche isst, wird er dadurch nicht geschädigt, sondern wird wegen ihrer guten Mischung fett davon.
Wenn ferner ein Esel Beschwerden im Kopf hat, so dass er hustet, soll der Mensch Buchenasche nehmen, aus der eine Lauge gemacht wurde, und solange die Asche noch heiß ist, soll er den Dampf, der davon ausgeht, in Maul und Nüstern jenes Esels übergehen lassen. Denn die Buchenasche, die eine gleichmäßige Mischung an Wärme besitzt, vermindert zusammen mit fremder Wärme die verdorbenen Säfte des Esel.

Physica 3.26

Beinwell

Symphytum officinale

Beinwurz, Bienenkraut, Schwarzwurz, Wallwurz

Familie: Rauhblattgewächse – Boraginaceae

Beschreibung:
mehrjährig, 40-90 cm, Stängel ist saftig und behaart; Blütezeit von Mai bis August; tiefreichende schwarze Pfahlwurzel; Blüten weiß, gelb, rot, violett oder blau

Vorkommen:  
entlang von Ufern, lichte Stellen in Wäldern, an Wegen und Wiesen; liebt feuchten Lehmboden

Droge

  • Wurzel – verdirbt schnell                     
  • Blätter – Laubblätter getrocknet
  • Kraut – alle oberirdischen Teile

Inhaltsstoffe        

  • Blätter und Kraut: Allantoin, Gerbstoffe, Rosmarinsäure, bis 7% Schleimstoffe, Spuren von Alkaloiden
  • Wurzel: Allantoin, bis 20% Schleimstoffe (Fructosane), Cholin, Gerbstoffe, Rosmarinsäure, Stärke, Triterpene, Sterole, Kieselsäure, kleine Mengen Alkaloide

Wirkung

  • fördert die Neubildung von Geweben und Kallusbildung bei Knochenbrüchen
  • abschwellend, antientzündlich
  • lokal reizend
  • Allantoin löst Wundsekret auf, verflüssigt Eiter, regt die Granulation an

Anwendung

  • als Paste äußerlich bei Gelenkentzündungen, Schwellungen, Prellungen, Blauen Flecken und Dekubitus (aber nicht auf offenen Wunden)
  • positive Monografie
  • innerlich: chronische Entzündungen der Atemwege, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren, Durchfall

zu beachten:
nicht länger als 4 Wochen (max. 6 Wochen im Jahr),
nicht während der Schwangerschaft/Trächtigkeit

Wissenswertes: 
• verwandt mit Borretsch
• symphyo = ich wachse zusammen

Hildegard von Bingen

Beinwell – Consolida – ist kälter als warm. Und wenn der Mensch ihn ohne rechtes Maß isst, gibt er alle Säfte, die in ihm richtig geordnet sind, preis.
Wenn aber ein Glied am Menschen hilflos und geschwürig und verwundet ist, verfolgt er, wenn man ihn isst, umgehend jenen Schleim, der dort austritt, und heilt diesen Schleim und die Geschwüre oben auf der Haut und nicht innen im Fleisch.

Physica 1.146

Artikel von Johannes G. Mayer für die Zeitschrift für Phytotherapie auf Academia.edu:

Schnittlauch

Allium schoenoprasum

andere Namen:
Binsenlauch, Graslauch, Pankokenkraut, Preseloak, Prieslauch, Schnittling, Schnittzwiebel, Suppenkraut, Suppenlauch

Verbreitung: vom Mittelmeer in die ganze Welt

Anwendung:

  • in der Volksheilkunde bei Wurmbefall
  • als Küchengewürz

Johanniskraut

Tüpfelhartheu, Blutkraut, Wundkraut, Herrgottskraut

Hypericum perforatum

Arzneipflanze des Jahres 2015

Familie: Hypericaceae

Vorkommen: Wiesen, Wegränder
Blütezeit: zur Sommersonnenwende Ende Juni

Droge

das Kraut
während der Blütezeit gesammelte oberirdische Teile
Geruch schwach
Geschmack herb bitter, adstringieren

das Öl = Rotöl

Inhaltsstoffe

  • Hypericin (der rote Farbstoff)
  • Hyperforin
  • Flavonoide (Flavon- und Flavonolglykoside: Hyperosid, Quercitrin, Rutosid…)
  • Gerbstoffe
  • Xanthone
  • Ätherisches Öl
  • u. a.

Die kleinen schwarzen Punkte auf Blüten und Blättern enthalten das Hypericin.

Zerreibt man die Blüte,
dann werden die Finger rot gefärbt.

Wirkung

  • antidepressiv
  • hemmt Wiederaufnahme der Neurotransmitter Serotonin, Noradrenalin, Dopamin
  • wirkt auf das ZNS, Steigerung der kognitiven Leistungsfähigkeit möglich
  • antiviral
  • antiproliferativ / wachstumshemmend
  • antiphlogistisch / entzündungshemmend
  • apoptoseinduzierend (Apoptose = ständiges Sichabstoßen von Zellen aus dem Gewebe)
  • wirkt auf Hormonhaushalt
  • führt zu Photosensibilisierung – das Hypericin lagert sich in der Haut ab
    CAVE: bei Weidetieren kann es durch Aufnahme des Krautes zu Blasen, Juckreiz und Entzündung führen
  • Wechselwirkungen mit Medikamenten möglich

Anwendung

  • depressive Verstimmungen, Angst, nervöse Unruhe
  • langfristige Einnahme – die Wirkung setzt erst nach mehreren Tage ein
  • das Öl äußerlich bei Traumen, Verbrennungen, Myalgien und zur Massage

Monografie positiv

Es ist nicht möglich, dass eine bessere Arznei für Wunden in allen Ländern gefunden wird.

Paracelsus

Wissenswertes

  • Hält man die Blätter gegen das Licht, so erscheinen sie „perforiert“ – daher der lateinische Name. Die hellen Stellen sind die Sekretbehälter für das Öl.
  • Sommersonnwendfeiern – Johannistag 24. Juni – Beginn der Blütezeit
    Johanniskräuter: Beifuß, Holunder, Arnika, Ringelblume und andere Wiesen-/Sommerkräuter werden zu Gürtel oder Kranz gebunden
  • Roter Farbstoff Hyperizin aus den Blüten galt als Blut Gottes bzw. als Blut des geköpften Johannes.
  • Das Kraut konnte den Teufel vertreiben – „fuga daemonicum“.

Quelle: Kooperation Phytopharmaka
produkte mit johanniskraut

Zuchtform als Gartenpflanze