Myrrhe

pflanzliches Harz; gewonnen von Commiphora-Bäumen (Familie: Burseraceae); ca. 100 bekannt; „kommi“ = Gummi, „pherein“ = tragen; früher auch Balsamodendron genannt

Botanik:
dornige, verzweigte Sträucher oder kleine Bäume die auf steinigem Boden wachsen; kleine ovale Fiederblättchen; Früchte ähneln denen der Olive; die duftenden Stämme und Äste scheiden auf natürliche Weise Tropfen des öligen Harzes aus:

  • Commiphora molmol/myrrha: ca. 3 m hoher Baum aus Somaliland, liefert duftendes bräunliches bitteres Harz → Somali-Myrrhe (echte Myrrhe)
    Arzneipflanze des Jahres 2021
  • Commiphora abyssinica in Arabien → arabische Myrrhe „mor“
  • Commiphora gileadensis: Balsambaum der in Judäa wächst → Balsam
  • Commiphora wildii: namibische Myrrhe
  • Commiphora opobalsamum → Mekkabalsam: nicht mehr rein zu erhalten, Verwendung als Gemisch in der Homöopathie
  • Commiphora mukul → „gum-guggulu“ Harz in der ayurvedischen Medizin

Arzneidroge:

nach Anritzen der Rinde tritt der gelbliche Saft aus und trocknet an der Luft zu Gummiharz (Myrrha, Gummi Myrrha); Geruch aromatisch, Geschmack stark bitter bis gewürzhaft; haftet beim Kauen an den Zähnen

  • Ogo-Myrrhe: gelb, trocken, bröckelig, sehr bitter
  • Guban-Myrrhe: rötlich, weich, nicht so bitter
  • Bisabol-Myrrhe: süße oder falsche Myrrhe

Darreichungsform als
Tinctura Myrrhae in div. Kombinationspräparaten

Inhaltsstoffe:

25-40 % Harz, 2-10 % ätherisches Öl, 50-60 %, Rohschleim oder Rohgummi mit etwa 20 % Proteinen und etwa 65 % Kohlenhydraten; Myrrha-Bestandteile zählen zu den Terpenen (Sesquiterpen, Sesquiterpenlacton)

Das indische „gum-guggulu“ enthält Guggulusterone → senken Cholesterin- und Lipid-spiegel (evtl. über Einfluß auf Schilddrüsenfunktion) + Inhibierung der Blutplättchen-aggregation → wird als Mittel bei ischämischen Herzkrankheiten angewendet

Wirkung:

schwach adstringierend, desinfizierend, desodorierend, granulationsfördernd, antimikrobiell, aktiviert Phagozyten → unterstützt Immunsystem

Indikation:

  • bei Stomatitis und Gingivitis, Dentitionsbeschwerden, zur Zahnfleischmassage bei Prothesenträgern
  • unspezifische Entzündungen im Mund- und Rachenraum (Pinselung)
  • Atemwegsinfekte (Sinusitis, Bronchitis)
  • Hautinfekte durch Viren (Herpes simplex) und Staphylokokken (Abszesse und Furunkel)
  • Therapie und Prophylaxe unspezifischer Darminfektion (u.a. bei Klimawechsel)
  • in der Aromatherapie: erdet und beruhigt – gegen innere Unruhe und Stress, bei Gedankenflucht und zu viel Kopfarbeit
  • in der Kosmetik zur Parfümierung von Seifen, Mundwässern, Zahnpasta
  • traditionell in der ägyptischen Volksmedizin als Pulver noch heute verwendet für Salben und Pflaster bei Wunden und Geschwüren und als Pillen bei chronischen Lungenkararrhen
  • Nebenwirkungen: bei unverdünnter Anwendung von Myrrhentinktur können vorübergehend leichtes Brennen und Geschmacksirritationen auftreten

Geschichte:

  • wird im Papyrus Ebers und in der Bibel erwähnt
  • zur Balsamierung und als Aphrodisiaka
  • beliebtestes und wertvollstes Harz
  • Bestandteil von heiligen Ölen und Schönheitsmitteln
  • Weihrauch und Myrrhe kamen über die „Weihrauchstraße“, eine der ältesten Karawanenhandelsstraßen, aus Arabien über Mekka zum Mittelmeer.
  • in der Antike als Gewürz im Wein
  • Jesus bekam Myrrhe vor seiner Kreuzigung gereicht, sein Körper wurde später von Nikodemus in Leinentücher und eine Mischung aus Myrrhe und Aloe eingehüllt
  • enthalten im Augsburger Lebenselixier

Hildegard von Bingen

Myrrhe ist heiß und trocken.
Und wenn du Myrrhe bei dir tragen willst … damit sie von deinem Fleisch und Schweiß erwärmt wird:
Sie hält Trugbilder und Zauberkünste und Zaubersprüche und Anrufungen von Dämonen mittels schlechter Worte und verzauberter Kräuter von dir fern, …
Und da die Myrrhe selbst die unerschütterliche Kraft der Erde besitzt, erträgt sie nichts Lügenhaftes, sondern vertreibt alle Scheingebilde, und der Teufel schreckt vor ihr zurück, weil ihre Natur unerschütterlich und unbeirrbar ist. …
Und wenn Rindern ein rheumatischer Ausfluss aus den Nüstern fließt, so dass sie in der Kehle klingen, als ob sie Husten hätten, dann nimm Myrrhe und Weihrauch, so dass es mehr Myrrhe als Weihrauch ist, und leg sie über glühende Kohlen und lass den Rauch in ihre Nüstern steigen. Denn die kraftvolle Hitze der Myrrhe und die kraftvolle Hitze des Weihrauchs, angeregt mit der erhöhten Hitze des Feuers, vertreiben das faulige Übel, das von der Kälte der Natur kommt.

Anwendung:
gegen Zauberei, bei Gelbsucht und Gicht, gegen Begierde, bei Magenschmerzen, Fieber, als Inhalation für kranke Rinder

Physica 1.177

„And because Myrrhe has the unshakable power of the earth, she does not bear any mendacity, but banishes every illusion and the devil shrinks back, because her nature ist strong and consistent.“


Im Shop habe ich ein duftendes Ätherisches Öl der Namibischen Myrrhe von Mbiri.

Fotos mit freundlicher Genehmigung von Mbiri – Naturkosmetik aus Namibia

Artemisia Arten

Artemisia spp.

Compositae = Korbblütler • Achtung > Allergien sind möglich!

Göttin Artemis = Schwester des Heilgottes Apollon, Herrin der wilden Tiere, galt als Amazone / Hexe / Schamanin, römisch: Diana

Geschenke der Göttin an die Frauen:

  • artemisia = Unversehrtheit (die Keuschheit der Göttin)
  • Erleichterung von Geburten
  • Harmonisierung der Periode (Emmenagogum = Menstruations-auslösendes Mittel)
  • für Sitzbäder verwendet
  • abortiv > Geburtenkontrolle

Artemisia vulgaris • Beifuß

  • eine der ältesten Heilpflanzen
  • weibliche Pflanze
  • in Ägypten der Isis geweiht, später Venus und Diana
  • parthenis = Jungfrauenkraut
  • Mittel das Freundschaft und Liebe weckt
  • Strabon: Mutter der Kräuter
  • Symbol der Gesundheit
  • heidnische Zauberpflanze bei Sonnenwendritualen
  • Räuchermittel

Inhaltsstoffe:
verschiedene Bitterstoffe, ätherisches Öl mit Cineol, Thujon, Pinen

Hildegard von Bingen

Beifuß ist sehr heiß und sein Saft ist sehr nützlich. Und wenn er gekocht und in Mus gegessen wird, heilt er kranke Eingeweide und erwärmt den Magen.

Physica 1.107

Artemisia absinthium • Wermut/Absinth

  • in Ägypten im Wein und Bier
  • Wurmaustreibung
  • Wermutwein
  • mit Öl als Salbe gegen Mücken
  • Gegengift bei Opiumüberdosis
  • wurmtötend
  • abortiv

Inhaltsstoffe:
Bitterstoffe, ätherisches Öl mit viel Thujon (berauschend, psychedelisch > Absinthöl > führte zu Gehirnschäden „Absinthismus“)

Thujon auch in Rainfarn, Salbei, Lebensbaum

Hildegard von Bingen

Wermut ist sehr heiß und sehr wirkungsstark und meistert am besten alle Erschöpfungszustände.

Anwendung: Kopfschmerz, Brustbeschwerden, Gichtanfall, Ohrwürmer, Nierenschmerzen, Zahnschmerzen, Melancholie

Physica 1.109

Artemisia abrotanum • Eberraute

  • griech: abroton/abrotos = Glück, Wohlstand, Überfluß
  • männliche Pflanze
  • wurmtreibend

Inhaltsstoffe:
Bitterstoffe, ätherisches Öl, Alkaloid Abrotin

Anwendung beim Pferd:
als Tinktur oder Abrotanum Urtinktur bei Verdauungsstörungen, Abmagerung und Schwäche trotz wiederholter Entwurmung


Hildegard von Bingen

Eberraute ist warm und trocken und ihr Geruch – auch wenn etwas mit ihr bestrichen wird, das davon den Geruch abgibt – löst im Menschen Melancholie und Jähzorn aus und ermüdet sein Haupt.

Anwendung äußerlich bei Ausschlag, Beulen, Zusammenziehen der Glieder

Physica 1.106

Artemis dracunculus • Estragon

  • dracunculus = kleiner Drache
  • galt als Giftbezwinger

Inhaltsstoffe:
ätherische Öle, Kumarine, Flavonoide, Bitter- und Gerbstoffe

Artemisia annua • Einjähriger Beifuss

  • wird seit langem in der TCM verwendet
  • in den 1970er Jahren wieder entdeckt und seitdem zur Herstellung eines wirksamen Malaria-Medikamentes „Artemisin

Benediktenkraut

Cnicus benedictus / Carduus benedictus

andere Namen: Benediktendistel, Bitterdistel, Heildistel, Spinnendistel

Korbblütengewächs

Droge: das Kraut ohne Wurzel;
Geschmack: frisch weniger bitter als getrocknet, salzig

Inhaltsstoffe: Bitterstoffe (Cnicin), ätherisches Öl, Flavonoide, Gerbstoffe

Wirkung: fördert Sekretion; antibakteriell

Anwendung:
Appetitlosigkeit, Sekretionssteigerung, dyspeptische Beschwerden wie Verstopfung und Blähungen; äußerlich zur Wundbehandlung

positive Monografie

Vorsicht bei Allergien gegen Korbblütler und bei Überdosierung

Geschichte:
• bereits bei Galen (durchdringt verstopfte Organe) und Dioskurides (bei Magenproblemen) erwähnt
• in der Klosterheilkunde (wärmend)
• zu Zeiten Goethes offizinell


Hildegard von Bingen

Benediktenkraut ist heiß. Wenn jemand es isst oder im Getränk einnimmt, entflammt es ihn zur Glut und Begierde.
Wenn aber ein Mensch an seinem ganzen Körper und an seinen Körperkräften abnimmt, soll er Benediktenkraut in Wasser kochen und dieses Wasser oft so heiß trinken, und er wird die Körperkräfte zurückbekommen.

Physica 1.164

Bilsenkraut

Hyoscyamus niger

Nachtschattengewächs / Solanaceae
andere Namen: Apollonienkraut, Becherkraut, Rasewurzel, Schlafkraut,

sehr giftig — geschützt


Droge:   Blätter, Samen

Inhaltsstoffe:
Alkaloide mit psychedelischer Wirkung (Atropin, Hyoscyamin, Scopolamin) 


Wirkung: 
• wirkt auf Großhirnrinde > Krankheiten der oberen Luftwege, Bronchien, Harnblase
• der eingeatmete Rauch brennender Samen führt zu Erregungszuständen

Anwendung: 
Spasmen im Magen-Darm-Trakt;
Bilsenkrautöl zum Einreiben bei rheumatischen Schmerzen
Volksheilkunde: Salbe für Geschwüre; Saft aus grünen Samen in die Ohren
Monografie:  positiv

Nebenwirkungen:
Erbrechen, Schwindel, Krämpfe bis hin zum Tod

Hildegard von Bingen

Bilsenkraut ist kalt und weich und ohne Heilkräfte. Wenn es jemand (oder das aus seinen Samen hergestellte Öl) essen würde, würde es in ihm eine todbringende Giftwirkung entfalten. …
Das Öl, das aus seinem Samen gemacht wird, ist nicht sehr nützlich, aber wo an irgendeiner Stelle der menschlichen Glieder ein starkes Brennen entsteht, soll diese Stelle mit besagtem Öl eingerieben werden, und es kühlt es ohne jede andere Arznei ab. Aber die Stärke dieses Öls ist für sonstige Kranke nicht nützlich.

Physica 1.110

Ich freue mich, wenn Ihnen meine Fotos gefallen.
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Lehrwanderung im Botanischen Garten

Schamanen- und Heilpflanzen der Alten Welt

Am 2. September fand die monatliche Lehrwanderung im Botanischen Garten statt. Dozent war Archäobotaniker Dr. Helmut Kroll, der unterhaltsam Anekdoten und wissenschaftliche Fakten kombinieren kann.

Diese Pflanzen wurden besprochen: 

Stiefmütterchen/Viola tricolora

Mohn: gibt es im Norden schon seit der Bronzezeit; weißer Mohn wird in Dänemark auf Seeland angebaut

Attich: wird seit der Bronzezeit verwendet; Holunder erst seit dem Mittelalter

Paeonie: Marienpflanze, Wurzel wurde als Rübe benutzt

Eselsdistel „Kaktus“ > Symbol von Schottland, enthält BitterstoffeArtemisia absinthum: schon bei den Slawen verwendet

Tollkirsche: Atropos, unabwendbar

Lampionpflanze: essbarEisenkraut: schützt vor Verwundungen durch Eisen; lag in Rom auf den Altären, keine natürlichen Standorte in Europa

Zwergeiche/Erdeiche

Mistel > Wärmezeiger

Malve/Pappel: papp = Brei

Rettich, Kohl, Raps, Rüpsen, Brassica nigra, Gelbes Eisenkraut, Gänsefußgewächse, Guter Heinrich, Rübe, Mangold, Bastard-Gänsefuß/Sautot

Sumpfwolfsmilch: 3maliger Farbwechsel, Schamanenpflanze

Hopfen: macht Bier lagerfähig, ins Kopfkissen legen
Gagelstrauch: zum Bier brauen

Hanf

Mädesüß: zur Metherstellung

Eibe: für Langbögen

Buchs

Bilsenkraut > nur bei Siedlungen gefunden(Samenbank kommt nach oben)Eibisch