Bilsenkraut

Hyoscyamus niger

Nachtschattengewächs / Solanaceae
andere Namen: Apollonienkraut, Becherkraut, Rasewurzel, Schlafkraut,

sehr giftig — geschützt

Droge:   Blätter, Samen
Inhaltsstoffe: Alkaloide mit psychedelischer Wirkung (Atropin, Hyoscyamin, Scopolamin) 

Wirkung: 
• wirkt auf Großhirnrinde > Krankheiten der oberen Luftwege, Bronchien, Harnblase
• der eingeatmete Rauch brennender Samen führt zu Erregungszuständen

Anwendung: 
Spasmen im Magen-Darm-Trakt;
Bilsenkrautöl zum Einreiben bei rheumatischen Schmerzen
Volksheilkunde: Salbe für Geschwüre; Saft aus grünen Samen in die Ohren
Monografie:  positiv

Nebenwirkungen:
Erbrechen, Schwindel, Krämpfe bis hin zum Tod

Hildegard von Bingen

Bilsenkraut ist kalt und weich und ohne Heilkräfte. Wenn es jemand (oder das aus seinen Samen hergestellte Öl) essen würde, würde es in ihm eine todbringende Giftwirkung entfalten. …
Das Öl, das aus seinem Samen gemacht wird, ist nicht sehr nützlich, aber wo an irgendeiner Stelle der menschlichen Glieder ein starkes Brennen entsteht, soll diese Stelle mit besagtem Öl eingerieben werden, und es kühlt es ohne jede andere Arznei ab. Aber die Stärke dieses Öls ist für sonstige Kranke nicht nützlich.

Physica 1.110

Lehrwanderung im Botanischen Garten

Schamanen- und Heilpflanzen der Alten Welt

Am 2. September fand die monatliche Lehrwanderung im Botanischen Garten statt. Dozent war Archäobotaniker Dr. Helmut Kroll, der unterhaltsam Anekdoten und wissenschaftliche Fakten kombinieren kann.

Diese Pflanzen wurden besprochen: 

Stiefmütterchen/Viola tricolora

Mohn: gibt es im Norden schon seit der Bronzezeit; weißer Mohn wird in Dänemark auf Seeland angebaut

Attich: wird seit der Bronzezeit verwendet; Holunder erst seit dem Mittelalter

Paeonie: Marienpflanze, Wurzel wurde als Rübe benutzt

Eselsdistel „Kaktus“ > Symbol von Schottland, enthält BitterstoffeArtemisia absinthum: schon bei den Slawen verwendet

Tollkirsche: Atropos, unabwendbar

Lampionpflanze: essbarEisenkraut: schützt vor Verwundungen durch Eisen; lag in Rom auf den Altären, keine natürlichen Standorte in Europa

Zwergeiche/Erdeiche

Mistel > Wärmezeiger

Malve/Pappel: papp = Brei

Rettich, Kohl, Raps, Rüpsen, Brassica nigra, Gelbes Eisenkraut, Gänsefußgewächse, Guter Heinrich, Rübe, Mangold, Bastard-Gänsefuß/Sautot

Sumpfwolfsmilch: 3maliger Farbwechsel, Schamanenpflanze

Hopfen: macht Bier lagerfähig, ins Kopfkissen legen
Gagelstrauch: zum Bier brauen

Hanf

Mädesüß: zur Metherstellung

Eibe: für Langbögen

Buchs

Bilsenkraut > nur bei Siedlungen gefunden(Samenbank kommt nach oben)Eibisch

Bamberger Blutsegen

Christus und Judas kämpften mit Speeren.
Da verwundete sich der heilige Christus an seiner Seite.
Da nahm er seinen Daumen und verdeckte sie vorne,
so stoppte das Blut, wie die Strömung des Jordans stoppte,
als der heilige Johannes den erlösenden Christus in ihm taufte.
Das soll Dir Besserung verschaffen.

Christus wurde hier auf Erden verwundet.
Das wurde im Himmel bemerkt.
Es blutete und schmerzte nicht, auch kein Eiter trat hervor.
Das war ein sehr heilbringendes Ereignis.
Heilen sollst Du, Wunde!

Im Namen Jesu Christi, das soll Dir Besserung verschaffen:
Dreimal das Vaterunser, wobei Du eben dies dreimal hinzufügst:
Ich beschwöre dich bei den heiligen fünf Wunden:
Heilen sollst Du Wunde!
Und beim Vater, dem Sohn und dem heiligen Geist soll es geschehen!
Es soll geschehen! Amen.


Im Mittelalter wurden solche Segen zur Heilung gesprochen.
Ich denke, dass dies eine wichtige mentale Unterstützung für den Patienten war; vor allem, da es sonst wenig medizinische Möglichkeiten gab. Vielleicht sorgte ja auch die Konzentration auf den meditativen Text dafür, dass sich der Verwundete beruhigte, der Herzschlag ruhiger und die Blutung dann tatsächlich weniger wurde …