Pflanzen des Jahres 2023

Arzneipflanze: Echter Salbei
Salvia officinalis

ausgewählt vom Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde der Universität Würzburg

Heilpflanze: Wein
Vitis vinifera

ausgewählt vom NHV Theophrastus

Blume: Kleine Braunelle
Prunella vulgaris

ausgewählt von der Loki-Schmidt-Stiftung

Baum: Moorbirke
Betula pubescens

ausgewählt von der Dr. Silvius Wodarz Stiftung 

Giftpflanze: Petersilie
Petroselinum crispum

ausgewählt vom Botanischen Sondergarten Hamburg Wandsbek

Petersilie

Petroselinum crispum

andere Namen: Eppich, Peterlein, Silk

Giftpflanze des Jahres 2023

Familie: Doldenblütler – Apiaceae

Beschreibung: zweijährige Pflanze, grundständige Rosette, gezackte Blätter mit würzigem Duft, Blüte grüngelb  

Herkunft: Mittelmeer

Droge: Kraut, Wurzel – die Früchte sind GIFTIG

Inhaltsstoffe:   
in den Blättern Furocumarine, Vitamin C, Ätherisches Öl
die Saatkörner/Früchte enthalten Apiol

Wirkung: 
Kraut und Wurzel: diuretisch;
Apiol der Früchte wirkt auf die glatte Muskulatur von Blase, Darum und Uterus; beim Mann aphrodisierend

Anwendung:  Kraut und Wurzel zur Durchspülungstherapie bei Erkrankungen der ableitenden Harnwege und bei Nierengrieß

Monografie:  positiv für das Kraut;
Früchte negativ > abtreibende Wirkung, nierenschädigend, kann zu Herzrhythmusstörungen führen, in hohen Dosen Schädigung von Leber + MDT sowie Blutbildveränderungen (Poth, 2000)

Petersilie bringt den Mann aufs Pferd
Und die Frau unter die Erd!

Zu beachten: Tonussteigerung und Förderung der Kontraktion des Uterus (Samen und Wurzel wurden zur Abtreibung benutzt) > nicht während Schwangerschaft und Trächtigkeit

Pferd: als möglichst frische Futterbeigabe, bei Sommerekzem, Infekten, Arthrose
CAVE – nicht während der Trächtigkeit

Anwendung seit der Antike:
harntreibend, Prophylaxe von Harnsteinen, schwacher Magen, Bauchschmerzen

Scharbockskraut

Ranunculus ficaria / Ficaria verna

Feigwurz, Butterblume, Frühsalat, Gichtblatt

Familie: Hahnenfußgewächs

Beschreibung: Frühblüher > März bis Mai; mit ihren an den Knoten wurzelnden Stängeln bildet die Pflanze meist zusammenhängende Flächen; Blätter fleischig, etwas glänzend; liebt basen- und stickstoffsalzhaltige Böden; sehr häufig

Vorkommen:  Auenwälder, Mischwälder, feuchte Parkanlagen

Inhaltsstoffe: Scharfstoff Protoanemonin, Vitamin C, Saponine

Anwendung:

  • die jungen Blätter im Frühjahr als Salat (oder als Presssaft) gegen Skorbut (Scharbock = Vitamin C Mangel) und für Blutreinigungskuren; Achtung: die Scharfstoffe können zu Magenreizungen führen
  • als Tee gegen Hautleiden; das getrocknete Kraut ist weniger reizend für den Magen
  • als Sitzbad bei Hämorrhoiden

Wissenswertes:

  • Bestäubung durch Insekten
  • Fruchtverbreitung durch Ameisen

Allium Arten

Familie:    Liliengewächse

  • Allium ascalonicum – Schalotte
  • Allium cepa – Zwiebel
  • Allium chinense – Chinesischer Schnittlauch
  • Allium porrum – Porree/Lauch
  • Allium sativum – Knoblauch
  • Allium schoenoprasum – Schnittlauch
  • Allium tuberosum – Knoblauch-Schnittlauch, Schnittknoblauch
  • Allium ursinum – Bärlauch

In allen Arten laufen dieselben chemischen Vorgänge ab:
Das in der Droge vorliegende Alliin wird nach der Zerstörung der Zellen durch die Alliinase (Alliin-Lyase) zunächst hydrolytisch in Brenztraubensäure und Alkylsulfensäure gespalten, letztere wird dann zu ALLICIN umgewandelt.
(Daraus können weiterhin Diallylsulfid und Ajoen gebildet werden.)
Allicin hat den typischen Knoblauchgeruch; es wirkt im Magen antibakteriell.

Hildegard von Bingen

Alle Laucharten, die hohl sind, wie surigo, prislauch, planza und ähnliche, sind nicht zu warm, sondern gemäßigt und haben einen etwas weinartigen Saft. Sie wachsen durch Wind und Feuchtigkeit der Erde, aber unter den anderen ist besonders ein (bestimmter?) Lauch weniger schädlich und bewirkt keine Verwirbelungen in den Säften des Menschen, sondern kann schnell verdaut werden. Gesunden schadet er nicht, wenn sie ihn essen, für Kranke aber soll er gekocht werden, damit sich nicht seine Feuchtigkeit mit deren Feuchtigkeit verbindet, weil Kranke veränderte Säfte in sich haben.

Physica 1.83

Zierlauch

Haselnuss

Corylus avellana

Familie: Birkengewächs – Betulaceae

Baumartiger Strauch mit aufrechtem Wuchs, 5-15m, Pionierpflanze;
Blüten: männliche Kätzchen erscheinen vor den Blättern, goldgelb, hängend; weibliche Blüten in Hüllen mit roter Narbe, Februar bis April;
Blätter: rundlich bis herzförmig; Früchte: ölreiche Nüsse

Drogen

Laubblätter
• Inhaltsstoffe: ätherisches Öl, Palmitinsäure, Paraffin, Myricitrosid, Saccharose, Taraxerol, β-Sitosterin
• Anwendung in Teegemischen (als Ersatz für Hamamelis) bei Krampfadern, Venenentzündungen, Geschwüren, Hämorrhagien

Rinde der Zweige
• Inhaltsstoffe: ätherisches Öl, Gerbstoffe, Phlobaphene (rote Oxidationsprodukte der Gerbstoffe), Fett, Harzsäuren, Lignocerylalkohol, Sitosterin, Betulin
• Anwendung als Tee bei Krampfadern und Venenentzündung

Nüsse – Nahrungsmittel

Öl der Nüsse
• Inhaltsstoffe: fettes Öl mit Triglyceriden (Ölsäure-, Palmitin-, Palmitolein-, Stearin-, Linolsäure-glycerolester), Phytosterine
• Verwendung als Speiseöl, für Kosmetik und Seifen

Wissenswertes

  • Nach dem Abholzen werden die Stockausschläge/Ruten für Flechtwerk verwendet (Zäune, Körbe, Dächer, Bögen, Fischreusen).
  • eines der wichtigsten einheimischen Heckengehölze #issdenknick
  • Nach christliche Legenden waren die Ruten von Moses und Aaron aus Hasel.
  • Wichtige Pflanze der Kelten mit vielseitiger Verwendung: Lebensmittel, Wintervorrat, Aphrodisiakum, bei Bleisucht und Blutarmut, als Wünschelrute und Zauberstab, Regenzauber, Fruchtbarkeit (weiße Magie: Erblühen der Kätzchen als Zeichen der Wiedergeburt), Schutzzauber (gegen Blitzschlag, Feuer, Schlangen, Krankheiten)
  • manchmal mit Misteln bewachsen

Hildegard von Bingen

Der Haselstrauch ist mehr kalt als warm und taugt nicht viel zur Arznei und bedeutet die Zügellosigkeit. … Die Früchte, also die Nüsse, nützen einem gesunden Menschen nicht sehr zum Essen, schaden ihm aber auch nicht viel. Aber für einen Kranken sind sie schädlich, weil sie ihn in der Brust einengen.

Physica 3.11