Passionsblume

Passioflora incarnata

Arzneipflanze des Jahres 2011

Familie: Passionsblumengewächse – Passifloraceae

Herkunft: in ganz Amerika und Ostindien heimisch

Beschreibung: bis 10 m hohe Kletterstaude

Droge:
das Kraut ohne die Wurzeln; Ernte zur Blütezeit;
Geruch leicht aromatisch, Geschmack fade;
die ganze Pflanze enthält Wirkstoffe;
reife Früchte sind essbar = Maracuja

Inhaltsstoffe:
Flavonoide, Cumarin, Umbelliferon, Maltol, Alkaloide, ätherisches Öl u.a.

Wirkung:
entspannend, ausgleichend, angstlösend, bringt Nervensystem ins Gleichgewicht

Anwendung:
bei nervöser Unruhe, Schlafstörungen, Angst, Ruhelosigkeit, Erregungszuständen, Herzneurosen, Kreislaufunregelmäßigkeiten, nervösen Verdauungsbeschwerden; kann schon von Kinder ab 12 Jahren verwendet werden

Monografie:   positiv, ESCOP, HMPC

Verwendung bei indianischen Heilern

  • nervenberuhigend und entkrampfend
  • Verstopfung
  • Schlaflosigkeit
  • zerstampfte Blätter wurden auf Wunden aufgelegt
  • Saft, gemischt mit Baumwollblüten, zur Behandlung von Augenleiden
  • pulverisierte Rinde zur Blutreinigung

Geschichte

Auf seinen Reisen fand Pater Simone Parlasca in den Regenwäldern Mexikos die blühende Kletterpflanze, die er nach einer Vision „Passiflora“ taufte.
Blütenkrone = Dornenkrone,
5 Staubbeutel = 5 Wundmale,
3 Griffel = 3 Kreuznägel,
3 Narben = 3 Nägel,
Laubblätter = Lanze,
Ranken = Geißeln,
weiß = die Unschuld

Kniphof, Johann Hieronymus, and Christian Tobias Ephraim Reichard. Johannis Hieronymi Kniphofs … Botanica in Originali Das Ist: Lebendig Kräuter-Buch, in Welchen so Wohl Diejenigen Blumen- Baum- Und Küchen-Gewächse, … Nebst Einer Sonderbahren Anleitung Den Saamen Auf Eine Künstliche Manier Selbst Zu Zeugen … / Beygebracht Und Hinlänglich Beschrieben Von C. R. [Christian Reichard] ; [Tafelbd.]. Erffurt: Funcke, 1734. Print.

Ahorn – Acer

Aceraceae – Ahorngewächse

Spitz-Ahorn – Acer platanoides

sommergrün, 25-30 m, Schlucht- und Auenwälder; überall in Europa; Parkanlagen
Verwandte:
Kolchischer Ahorn (A. cappadocium) nur in Parks und Gärten,
Kretischer Ahorn (A. sempervirens) halb-immergrün,
Französischer Ahorn (A. monspessulanum) nur in warmen Gegenden

Hildegard von Bingen

Der Ahorn ist mehr kalt als warm und auch trocken, aber doch gemäßigt, und er bedeutet jedes Aufschrecken.
Wer lange tägliche und andauernde Fieber hat, soll Äste dieses Baumens mit den Blättern in Wasser kochen und oft in diesem Wasser baden. Und sobald er das Bad verlässt, soll er die untere Rinde dieses Baumes zerstoßen, den Saft ausdrücken und in reinen Wein gießen und so kalt nach besagtem Bad trinken, und der Kranke wird seine Gesundheit schneller zurückerlangen … Er soll das oft tun, und die chronischen Fieber in ihm werden weichen, und ihr Unrat und ihre Stürme in ihm werden verschwinden.

Physica 3.30

Anwendung bei Fieber, „Gicht“, geschwollener Nase

Feld-Ahorn / Maßholder – Acer campestre

Baum des Jahres 2015

selten über 10m, Rinde oft korkig, nährstoffreiche Böden, von Ebene bis 900 m Höhe, in Europa weit verbreitet, wichtiges Flurgehölz
Verwandte: Schneeball-Ahorn (A. opalus) südlich, klein

Hildegard von Bingen

Maßholder hat eine nichtsnutzige und schädliche Wärme, und auch die Kälte, die er hat, ist nichtsnutzig. Und sein Holz und Saft und Frucht sind unbrauchbar für jede Nutzung des Menschen, und alle sind schädlich für seine Gesundheit und gefährlich hinsichtlich der Begierde, weil sie im Menschen die Begierde erwecken würden. Und wenn der Mensch von seiner Frucht äße, würde er davon geschwächt wegen der Nichtsnutzigkeit ihrer Wärme, weil sie die guten Säfte im Menschen zerstört. Ferner taugen weder sein Feuer noch sein Rauch zur Gesundheit des Menschen.

Physica 3.41

Berg-Ahorn – Acer pseudoplatanus

30-40m hoch, häufig in Buchenmischwäldern
Verwandte:
Griechischer Ahorn (A. heldreichii),
Tataren-Ahorn (A. tataricum) Südosteuropa,
Pennsylvanischer Ahorn (A. pensylvanicum),
Rotnerviger Ahorn (A. rufinerve)

Zuckerahorn – Acer saccarum

  • Herkunft: Nordamerika, besonders Kanada
  • Droge: Ahornsirup = Blutungssaft
  • Inhaltsstoffe: bis zu 8% Saccharose (Trockengewicht: 98% Zucker, fast nur Saccharose), 0,4% Proteine, 0,3% organische Säuren
  • Anwendung: volkstümlich bei Frühjahrskuren > Wirksamkeit nicht belegt
  • zum Süßen von Speisen und Getränken, Süßwarenindustrie
  • nach Kristallisation zur Gewinnung von Ahornzucker

Silber-Ahorn – Acer saccarinum

stammt aus Nordamerika (Große Seen bis Florida), schnellwüchsig, Auengehölz; wurde auch zur Zuckergewinnung benutzt;
Verwandte: Rot-Ahorn (A. rubum)

Eschenblättriger Ahorn – Acer negundo

Nordamerika, in Europa eingebürgert
Inhaltsstoffe: Blätter und Rinde enthalten Saponine, die antitumoral wirken; phenolische Verbindungen, u.a. Flavonoide


Wissenswertes

  • stabilisiert sich über Magnetfeld der Erde
  • Bedeutung: Kraft für die Suche nach Identität, Eigensinn

Tollkirsche

Atropa belladonna

Nachtschattengewächs / Solanaceae

Giftpflanze des Jahres 2020

Beschreibung: 50-150 cm, Juni bis August; drüsig flaumig behaart; glänzend schwarz-rote (selten gelbe) Beeren; mehrjährig, reich verzweigt; Blüten braunviolett

Vorkommen: Waldlichtungen, Kahlschläge, Wegränder; basen- und stickstoffsalzhaltige Böden

Droge:
Blätter und Wurzel; höchste Konzentration der Wirkstoffe in den Samen

tödlich giftig

Schon 3-4 Früchte können für ein Kind tödlich sein! Sie sind NICHT bitter und können daher ohne Ekel gegessen werden. Außerdem unterdrückt das Scopolamin den Brechreiz.

Inhaltsstoffe

  • Atropin: hemmt die Freisetzung von Botenstoffen im Nervensystem; Verdauung, Herzschlag und Sehvermögen gestört erweitert die Pupillen
  • Hyoscyamin: psychoaktiv
  • Skopolamin: dämpft das vegetative Nervensystem und den Brechreiz
  • und andere Alkaloide

Anwendung

  • Positive Monografie bei krampfartigen Schmerzen/Spasmen
  • kolikartige Schmerzen im Verdauungstrakt, den Gallen- und Harnwegen
  • Parasympatholytika, Krampflösung
  • zur Pupillenerweiterung bei Augenuntersuchungen
  • Scopolamin-Pflaster gegen Reisekrankheit
  • in geringer Menge aphrodisierend
  • Narkosen (Reduzierung der Schleimbildung der oberen Luftwege bei Intubation)
  • NUR Fertigpräparate
  • Apothekenpflichtig!

Nebenwirkungen:  
Herzrasen, Akkomodationsprobleme (Maschinen führen), Hitzewallungen, Sehstörungen, Trockenheitsgefühl in Mund und Rachen, Schreien und Wahnvorstellungen, Atropinfieber, Tobsuchtsanfälle

Vergiftungserscheinungen

Heiß wie ein Vulkan, blind wie ein Maulwurf, trocken wie ein Knochen, rot wie eine Tomate und verrückt wie der Hutmacher bei Alice im Wunderland.

Hildegard von Bingen

Die Tollkirsche hat in sich Kälte und Hitze, aber in der Weise, dass sie in dieser Kälte den Überdruss und die Lähmung der Unvollkommenheit enthält, und auf der Erde und an dem Ort, wo sie wächst, besitzt die teuflische Einflüsterung gewissermaßen Anteil und Gemeinschaft für ihre Kunst. Sie ist auch für den Menschen gefährlich zu essen und zu trinken, weil sie sein Bewusstsein erschüttert, als ob er tot sein.

Physica 1.52

Wissenswertes

  • Atropos ist der Name der griechischen Schicksalsgöttin/Parze, die den Lebensfaden der Menschen zu durchschneidet.
  • Die Pflanze spielte bereits bei den Zauberinnen in den Sagen des griechischen Altertums eine Rolle.
  • Bis in die Renaissance träufelten sich Frauen Atropa ins Auge, um ihre Pupillen zu erweitern. Durch diesen Einsatz als Kosmetikum, der allerdings zu Lasten der Sehfähigkeit geht, entstand der Artname belladonna =  schöne Frau
  • Verbreitung der Samen durch Vögel
  • Bestandteil der Flugsalben der Hexen > Aufnahme über die Haut > Gefühl vom Fliegen
  • teilweise in Bier oder Wein gemischt

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Eisenhut / Sturmhut

Aconitum napellus • Monkshood

andere Namen: Giftkraut, Fuchswurz
Familie: Hahnenfußgewächs
Vorkommen: Gärten, feuchte Weiden, Berglagen
Blütezeit: Juni bis September

Giftpflanze des Jahres 2005 • alle Pflanzenteile GIFTIG • geschützt

Droge: die Knolle

Die Inhaltsstoffe (Aconitin u.a.) wirken auf das gesamte Nervensystem. Daher wurde die Pflanze bei allen Arten von Schmerzen eingesetzt.
Die Monografie ist negativ, denn es treten schon bei therapeutischen Dosen Nebenwirkungen auf.

Vergiftungserscheinungen:
Brennen im Mund, Kribbeln am ganzen Körper, Frösteln mit Kältegefühl, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Speichelfluss, Apathie; die Gliedmaßen sterben ab, die Atmung wird flach und verlangsamt; Herzrhythmusstörungen, Kollaps, oft nach 30 Minuten schon Tod

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Fingerhut

Digitalis purpurea • Foxglove

GIFTIG • Giftpflanze des Jahres 2007 • geschützt

Familie: Braunwurzgewächs – Scrophulariaceae
Beschreibung: 40-150 cm, zweijährig;
purpurrote (selten rosa oder weiße) Blüten
Vorkommen:  Kahlschläge, Wegränder; basenarmer, stickstoffsalzhaltiger Boden

Inhaltsstoffe: herzwirksame Glykoside (Digitoxin u.a.)
Droge ist apothekenpflichtig (Kraut und Tinktur)

ACHTUNG: auch das getrocknete Kraut ist noch giftig!
letale/tödliche Dosis
Hund: 5 g getrocknete Blätter
Pferd: 100-200 g frische bzw. 25 g trockene Blätter (Puls geht runter; Durchfall; häufiger, dunkler Harn; matt; Herzversagen)

Digitalis lanata

Gelbblühender / Wolliger Fingerhut