Waldmeister

Galium odoratum

Familie: Rötegewächs – Rubiaceae

Beschreibung: 10-30 cm, mehrjährig, Blütezeit April bis Juni, unterirdisch kriechende Ausläufer, hakig-borstige Früchte

Vorkommen:  lichte Laubwälder; mullreichen, nicht zu trockenen, mäßig basen- und stickstoff-salzhaltigen Lehmboden, gern auf Kalk

Inhaltsstoffe:  
Cumaringlykosid mit typischem Duft, Iridoide, Gallussäure, Kaffeesäure, Vanillin u.a.

CAVE zu viel Cumarin erzeugt starke Kopfweh!
Bei längerfristigem Gebrauch sind Leberschäden möglich.

Anwendung

  • in der Parfümerie
  • für Maibowle (max. 3 g frisches Kraut pro Liter)
  • als Geschmacksstoff für Lebensmittel
  • in der Volksheilkunde bei Unruhezuständen, Kopfschmerzen und Migräne, Schlaflosigkeit, Herzbeschwerden, Leberstauung, Schwermut

Alraune

Mandragora officinalis

anderer Name: Menschenwurzel, Zauberwurzel

Giftpflanze

Familie: Nachtschattengewächs/Solanaceae

Herkunft: südöstliches Mittelmeer

Beschreibung:
grünlich-weiße, blaue oder violette Blüten im März/April;
Blattrosette mit fleischigen Blättern; kugelige „goldene“ Früchte sind genießbar

im Botanischen Garten der CAU Kiel

Sammelgut: 
Wurzel (kann bis 60 cm lang werden) – hat oft menschenähnliche Gestalt

Inhaltsstoffe der Wurzel:
Wurzel enthält giftige Alkaloide (Atropin, Hyoscin, Hyoscyamin)

Wirkung:        

  • gelbe Früchte – dudaim – als Brech- und Abführmittel
  • Wurzel-Aufgüsse wirken auf das ZNS > Sinnestäuschungen, Potenzsteigerung

Anwendung im Mittelalter:

  • als Abführ- und Brechmittel
  • starkes Narkosemittel
  • in Salben gegen Geschwüre

Im Mittelalter ließ man Hunde die Wurzel herausziehen, um nicht von dem Geschrei verrückt zu werden.
(Bild aus dem Tacuinum Sanitatis)

Gekreisch wie von Alraunen, die man ausreißt,
das Sterbliche, die’s hören, rasend macht.

Shakespeare: Romeo und Julia


Wissenswertes:

  • auf ägyptischen Grabmalereien zu sehen
  • bei den Assyrer eingesetzt als Schlaf- und Schmerzmittel
  • Hippokrates beschreibt, dass die Pflanze zu Visionen und zum Delirium führen kann.
  • Liebesäpfel der Aphrodite
  • im Hohelied Salomons erwähnt
  • runa = Geheimnis
  • Alruna ist eine altgermanische Fee.
  • Im Mittelalter glaubte man, sie würde nur unter einem Galgen aus dem Urin und Sperma der Erhängten wachsen.
  • Bekannt aus den Harry Potter Büchern.

Hildegard von Bingen

Mandragora, also die Alraune, ist heiß und eine bisschen wässrig und breitet sich von der Erde aus, aus der Adam geschaffen wurde, und ähnelt deshalb dem Menschen ein wenig, aber sie ist doch eine Pflanze.
Wegen der Ähnlichkeit mit dem Menschen ist die Einflüsterung des Teufels bei dieser Pflanze stärker ausgeprägt und heimtückischer als bei anderen. Deshalb wird der Mensch durch sie auch in seinen Wünschen ermuntert, seien sie gut oder schlecht, wie er es auch einst mit den Götzenbildern getan hat.
Wenn die Wurzel aus der Erde ausgegraben wird, soll man sie schnell einen Tag und eine Nacht lang in eine sprudelnde Quelle legen: So wird jedes Übel und der widrige Saft in ihr entfernt, das heißt ausgebeizt, so dass sie nicht mehr zu Magischem und Phantastischem taugt. Wenn sie aber aus der Erde gezogen und dann mit der daran haftenden Erde abgelegt wird, so dass sie nicht, wie gesagt, in der Quelle gereinigt wird, dann entfaltet sie schädliche Wirkung hinsichtlich vieler Übel magischer Zaubereien, wie auch einmal viel Schlechtes mit Götzenbildern angerichtet wurde. …
Auch wenn ein Mensch in seiner Natur so zerfließt, dass er immer traurig bleibt und immer in Jammern verharrt, so dass er dadurch dauernd Erschöpfung und Schmerz in seinem Herzen hat, der nehme Alraune, wenn sie bereits aus der Erde gerissen ist und lege sie neben sich in sein Bett, so dass die Pflanze von seinem Schweiß erwärmt wird und er selbst die Hitze dieser Pflanze aufnimmt, und er soll sprechen: „Gott, der du den Menschen ohne Schmerz aus dem Staub der Erde geschaffen hast: Ich lege jetzt diese Erde, die niemals betreten wurde, neben mich, damit auch meine Erde jenen Frieden spürt, wie du ihn geschaffen hast.“ …

Physica 1.56

Anwendung bei: Begierde, für das Gemüt und als Universalmittel

Giovanna Garzoni, Italienische Malerin, 1600-1670

Meerrettich

Armoracia rusticana

Heilpflanze des Jahres 2021

andere Namen: Kren, Mährrettich, Pferderettich, Horseradish

Botanik:
Kreuzblütler, wird bis zu 1,5 m hoch, Stängel hohl, sehr große Blätter, duftende Blüten

Droge: die Wurzel

Bildquelle: NHV Theophrastus

Inhaltsstoffe:
Isothiocyanate (Senföl abspaltende Glykoside), Vitamin C, Vitamin B1, B2, B6, Kaliumsalze, Cumarine, Flavonoide, Mineralstoffe, Schwefel

Wirkung:
antibakteriell, antiviral, entzündungshemmend, immunstimulierend, krampflösend, antioxidativ, tumorhemmend

Anwendung

  • bei Infektionen der Harnwege und Atemwegserkrankungen
  • Monografie positiv
bei Pferden
  • gegen Dasselfliegenlarven + Verpilzung im Magen-Darm-Trakt
  • Husten
  • Zahninfektionen
  • Einschuss

Wissenswertes

  • Verwendung seit der Antike als Küchengewürz
  • Pflanzliches Antibiotikum
  • wurde gegen Skorbut eingesetzt
  • in Kräuterbüchern bei Leonhart Fuchs (16. Jh.) und Adam Lonitzer (17. Jh.) beschrieben
  • Collinsville in Illinois ist die „Meerrettich-Hauptstadt“ der Welt – mit den weltweit größtem Anbaugebiet
  • In der Sarossa-Sage werden ein Bauer und sein Pferd durch Meerrettich gesund.
  • WASABI = Japanischer Meerrettich
  • Meerrettichperoxidase besitzt die Eigenschaft von Neuronen aufgenommen und entgegengesetzt dem normalen Informationsfluss transportiert zu werden. (Anwendung in der Hirnforschung; Quelle: Christian Keysers)

Hildegard von Bingen

Meerrettich ist warum und wenn im März alle Pflanzen grün werden, dann wird auch der Meerrettich weich, aber nur für eine kurze Zeit. Dann gegessen ist er für gesunde und starke Menschen gut, da er in ihnen die Grünkraft guter Säfte stärkt. Aber nachdem er hart ist und in der Rinde fest, ist er gefährlich zu essen, weil er keine Grünkraft hat und dann den Menschen austrocknet, wie wenn er Holz äße.

Anwendung:
• mit Galgant bei Herzbeschwerden
• bei Lungenbeschwerden

Physica 1.119


Breitwegerich

Plantago major

Familie: Plantaginaceae

Droge: Kraut zur Blüte geerntet • Geschmack etwas herb und bitter

Inhaltsstoffe:
Iridoidglykoside (Aucubin,Catapol), Gerbstoffe, Polysaccharide (Galactane etc.), Flavonoide, Hydroxyzimtsäurederivate, Kieselsäure

Wirkung:
antibakteriell, epithelisierend, wundheilend, antiphlogistisch, blutgerinnend, immunstimmulierend, leberprotektiv

Anwendung:
äußerlich bei Entzündungen von Haut und Schleimhaut – als Aufguß für Waschungen und Umschläge

Klostermedizin:
Wunden, Verbrennungen, Hauterkrankungen

Hildegard von Bingen

Wegerich ist warm und trocken.

Physica 1.101

Anwendung bei:
Gicht, Drüsenleiden, Geschwüre, Stechen, Knochenbruch, Spinnenbiss und Insektenstiche, gegen Liebeszauber

Christrose

Helleborus

andere Namen: Nieswurz, Schneerose, Lenzrose

Ranunculaceae – Hahnenfußgewächs
Viele verschiedene Arten

alle Pflanzenteile giftig – steht unter Naturschutz

Vorkommen: Mittel- und Südeuropa, besonders im Alpengebiet

Droge:
der getrocknete Wurzelstock;
Geruch schwach;
Geschmack stark bitter dann scharf und brennend

Inhaltsstoffe:
Alkaloide (Celliamin, Sprintillin), Saponinkomplex Helleborin (hauptsächlich Steroidsaponine) in den unterirdischen Teilen; Ranuncosid in Blüte, Stengel, Blatt

Wirkung / Vergiftungserscheinungen:

  • Entzündung des Mundes, Übelkeit, Durchfall, Gefäßkrämpfe, erweiterte Pupillen, Atemnot, brennender Durst, Herzrythmusstörungen, Erscheinungen wie bei Digitalis, Tod durch Atemlähmung
  • Todesfälle durch die Verwendung als Wurmmittel
  • auf Weiden können Vergiftungen bei Pferden und Wiederkäuern entstehen; akute Gastroenteritis, zentralnervöse Erregung, Lähmungen und digitalisähnliche Herzwirkung, hauttoxisch, Dyspnoe, Krämpfe; Pferd und Rind LD 8-30 g Wurzel; Schaf und Ziege LD 4-12 g Wurzel

Mythologie:
Ein Ziegenhirte heilte die Tochter des Königs Proitos von Argos damit vom Wahnsinn.

Hildegard von Bingen:
Die Sichterwurz, die die Schwarze genannt wird, ist mehr warm als kalt und ist in ihrer Wärme hart und rau.
Physica 1.129 – Anwendung gegen Wahnsinn