Der fünfte Monat ist lieblich, mild und herrlich durch die Früchte der Erde, wie auch das Schmecken des Mundes süß und freundlich ist; denn durch den Geschmack wird erkannt und festgestellt, woran der Mensch sich in Freude erquickt. So ist auch die Vernunft die Säule und das Mark der fünf Sinne, die durch sie erhalten und zum Wirken angeleitet werden, wie die Erde, die vom Pflug umgeworfen ist, im Keimen fruchtbar wird.
Das Sehen aber, die Sinneswahrnehmung der Augen, durch das der Mensch alles sieht und erkennt, hat mit Recht die Vorrangstellung unter den übrigen Sinnen. Denn wie sie in ihrer Stellung höher ist als die übrigen, so erfasst sie auch besser die entfernteren Dinge als die anderen. Auch dadurch ist der Gesichtssinn angenehm und großartig, weil der Mensch in ihm durch Erkennen und Auswählen das Nützliche vom Unnützen unterscheidet.
Der fünfte Monat, der Mai, hat den lieblichsten Duft der Blumen, an denen sich die Herzen der Menschen erfreuen, weil in ihm alle Früchte der Erde hervorsprießen, an denen sich der Mensch freut. So erkennt auch der Mensch mit der Sehkraft der Augen auf natürliche Weise jede Verwendung der Wesen. Mit der Schärfe seiner Vernunft erkennt er den Unterschied von dem, was er sieht. Die Fruchtbarkeit dieses Monats aber ist dem Geschmackssinn des Menschen ähnlich, durch den der Mensch erkennt, was zu seiner Erquickung nützlich ist.
pflanzliches Harz; gewonnen von Commiphora-Bäumen (Familie: Burseraceae); ca. 100 bekannt; „kommi“ = Gummi, „pherein“ = tragen; früher auch Balsamodendron genannt
Botanik: dornige, verzweigte Sträucher oder kleine Bäume die auf steinigem Boden wachsen; kleine ovale Fiederblättchen; Früchte ähneln denen der Olive; die duftenden Stämme und Äste scheiden auf natürliche Weise Tropfen des öligen Harzes aus:
Commiphora molmol/myrrha: ca. 3 m hoher Baum aus Somaliland, liefert duftendes bräunliches bitteres Harz → Somali-Myrrhe (echte Myrrhe) Arzneipflanze des Jahres 2021
Commiphora abyssinica in Arabien → arabische Myrrhe „mor“
Commiphora gileadensis: Balsambaum der in Judäa wächst → Balsam
Commiphora wildii: namibische Myrrhe
Commiphora opobalsamum → Mekkabalsam: nicht mehr rein zu erhalten, Verwendung als Gemisch in der Homöopathie
Commiphora mukul → „gum-guggulu“ Harz in der ayurvedischen Medizin
Arzneidroge:
nach Anritzen der Rinde tritt der gelbliche Saft aus und trocknet an der Luft zu Gummiharz (Myrrha, Gummi Myrrha); Geruch aromatisch, Geschmack stark bitter bis gewürzhaft; haftet beim Kauen an den Zähnen
Ogo-Myrrhe: gelb, trocken, bröckelig, sehr bitter
Guban-Myrrhe: rötlich, weich, nicht so bitter
Bisabol-Myrrhe: süße oder falsche Myrrhe
Darreichungsform als Tinctura Myrrhae in div. Kombinationspräparaten
Inhaltsstoffe:
25-40 % Harz, 2-10 % ätherisches Öl, 50-60 %, Rohschleim oder Rohgummi mit etwa 20 % Proteinen und etwa 65 % Kohlenhydraten; Myrrha-Bestandteile zählen zu den Terpenen (Sesquiterpen, Sesquiterpenlacton)
Das indische „gum-guggulu“ enthält Guggulusterone → senken Cholesterin- und Lipid-spiegel (evtl. über Einfluß auf Schilddrüsenfunktion) + Inhibierung der Blutplättchen-aggregation → wird als Mittel bei ischämischen Herzkrankheiten angewendet
bei Stomatitis und Gingivitis, Dentitionsbeschwerden, zur Zahnfleischmassage bei Prothesenträgern
unspezifische Entzündungen im Mund- und Rachenraum (Pinselung)
Atemwegsinfekte (Sinusitis, Bronchitis)
Hautinfekte durch Viren (Herpes simplex) und Staphylokokken (Abszesse und Furunkel)
Therapie und Prophylaxe unspezifischer Darminfektion (u.a. bei Klimawechsel)
in der Aromatherapie: erdet und beruhigt – gegen innere Unruhe und Stress, bei Gedankenflucht und zu viel Kopfarbeit
in der Kosmetik zur Parfümierung von Seifen, Mundwässern, Zahnpasta
traditionell in der ägyptischen Volksmedizin als Pulver noch heute verwendet für Salben und Pflaster bei Wunden und Geschwüren und als Pillen bei chronischen Lungenkararrhen
Nebenwirkungen: bei unverdünnter Anwendung von Myrrhentinktur können vorübergehend leichtes Brennen und Geschmacksirritationen auftreten
Geschichte:
wird im Papyrus Ebers und in der Bibel erwähnt
zur Balsamierung und als Aphrodisiaka
beliebtestes und wertvollstes Harz
Bestandteil von heiligen Ölen und Schönheitsmitteln
Weihrauch und Myrrhe kamen über die „Weihrauchstraße“, eine der ältesten Karawanenhandelsstraßen, aus Arabien über Mekka zum Mittelmeer.
in der Antike als Gewürz im Wein
Jesus bekam Myrrhe vor seiner Kreuzigung gereicht, sein Körper wurde später von Nikodemus in Leinentücher und eine Mischung aus Myrrhe und Aloe eingehüllt
enthalten im Augsburger Lebenselixier
Hildegard von Bingen
Myrrhe ist heiß und trocken. Und wenn du Myrrhe bei dir tragen willst … damit sie von deinem Fleisch und Schweiß erwärmt wird: Sie hält Trugbilder und Zauberkünste und Zaubersprüche und Anrufungen von Dämonen mittels schlechter Worte und verzauberter Kräuter von dir fern, … Und da die Myrrhe selbst die unerschütterliche Kraft der Erde besitzt, erträgt sie nichts Lügenhaftes, sondern vertreibt alle Scheingebilde, und der Teufel schreckt vor ihr zurück, weil ihre Natur unerschütterlich und unbeirrbar ist. … Und wenn Rindern ein rheumatischer Ausfluss aus den Nüstern fließt, so dass sie in der Kehle klingen, als ob sie Husten hätten, dann nimm Myrrhe und Weihrauch, so dass es mehr Myrrhe als Weihrauch ist, und leg sie über glühende Kohlen und lass den Rauch in ihre Nüstern steigen. Denn die kraftvolle Hitze der Myrrhe und die kraftvolle Hitze des Weihrauchs, angeregt mit der erhöhten Hitze des Feuers, vertreiben das faulige Übel, das von der Kälte der Natur kommt.
Anwendung: gegen Zauberei, bei Gelbsucht und Gicht, gegen Begierde, bei Magenschmerzen, Fieber, als Inhalation für kranke Rinder
Physica 1.177
„And because Myrrhe has the unshakable power of the earth, she does not bear any mendacity, but banishes every illusion and the devil shrinks back, because her nature ist strong and consistent.“
Im Shop habe ich ein duftendes Ätherisches Öl der Namibischen Myrrhe / Commiphora wildii von Mbiri.