Sternanis

Illicum verum

sternförmige Früchte eines kleinen immergrünen Magnoliengewächs, ca. 8 m hoch, mit kleinen gelben Blüten, kann bis zu 100 Jahr fruchtbar bleiben; aus Südchina und Vietnam; Sammelfrucht mit 6 bis 10 Kapseln mit Samenkorn

nicht mit Anis verwandt

Inhaltsstoffe der Frucht

  • ätherische Öle (Anethol, Thymol, Terpineol)
  • Mineralstoffe
  • Vitamine
  • keine ätherischen Öle in den Samen, sondern in den Fruchtwänden

Wirkung

antibakteriell, antimykotisch, antioxidativ, krampflindernd, schleimlösend, verdauungsfördernd, harntreibend, leicht östrogen

Anwendung

  • TCM: Entzündungen, Nervosität, Schlaflosigkeit, Schmerzen
  • liefert Shikimisäure für die Herstellung eines Anti-Grippe-Mittels
  • hilft gegen Müdigkeit und „trübe Gedanken“
  • Magenbeschwerden
  • kauen bei schlechtem Atem
  • für Kleinkinder nicht geeignet!
  • Essenz zur Herstellung von Seifen und Parfums
  • als Öl bei Krätze, Läusen, Bettwanzen
  • in Getränken / Aperitif
  • wichtig in der chinesischen Küche; im 5-Gewürze-Pulver

Geschichte

im 16. Jh. in England, 17. Jh. Russland, dann in Deutschland

Trierer Pferdesegen

Zweiter Trierer Segen

Christus und Sankt Stephan kamen zur Stadt Saloniun,
da zog sich das Ross Sankt Stephans eine Erkrankung zu. 
So wie Christus das Ross des Sankt Stephans heilte,
so möge ich mit der Hilfe Christi dieses Ross heilen.
Vater unser. 
Wohlan, Christus, mögest du durch deine Gnade diesem Ross
die Lahmung heilen, 
wie du dass Ross Sankt Stephans bei der Burg Salonium geheilt hast.
Amen.

Gewürznelke

Syzygium aromaticum • Caryophyllus aromaticus • Eugenia caryophyllus 

Myrtengewächs, immergrüner Baum mit leicht süßlichem Duft, blüht erst nach 8 Jahren; aus Indonesien – heute Molukken, Madagaskar, Sansibar

Droge:
getrocknete, verschlossene Blütenknospen
> Geschmack intensiv aromatisch, scharf, mit süßem Geruch

Inhaltsstoff:
Ätherisches Öl mit Eugenol > antioxidativ, antibakteriell, antimykotisch

Wirkung & Anwendung:

  • TCM: Magenverstimmung, Übelkeit, Zahnschmerzen
  • zum erfrischen des Atems; heute in Kaugummi und Mundwasser
  • zum haltbar machen von Lebensmitteln
  • entzündungshemmend
  • gegen Blähungen
  • äußerlich als Einreibung
  • lokal anästhesierend (bei Verletzungen und Insektenstichen, Zahnschmerzen)
  • blutzuckersenkend
  • steigert Blutzirkulation, daher evtl. auch aphrodisierend
  • Verwendung oft als Nelkenöl

Wissenswertes:

bereits im Altertum (Indien, China, Ägypten) verwendet; in einem Merowinger-Grab (500 n.C.) gefunden, Heilpflanze des Jahres 2010

Foto: dôTerra Science

Hildegard von Bingen

Die Gewürznelke ist sehr heiß und hat auch eine gewisse Feuchtigkeit in sich, die sich süß bemerkbar macht, wie die süße Feuchtigkeit des Honigs.

Physica 1.27

Anwendung bei:
• Kopf wie betäubt – als ob er taub wäre
• Wassersucht
• Podagra (akuter Gichtanfall)
• Schluckauf

Bilsenkraut

Hyoscyamus niger

andere Namen: Becherkraut, Rasewurzel, Schlafkraut
pythonion (griech.) = Drachenkraut
apollinaris (lat.) = Apollonpflanze
belinuntia (kelt.) = Kraut des Bel (Sonnengott)

Nachtschattengewächs / Solanaceae

sehr giftig — geschützt


Droge:   Blätter, Samen

Inhaltsstoffe:
Alkaloide mit psychedelischer Wirkung (Atropin, Hyoscyamin, Scopolamin) 


Wirkung: 
• wirkt auf Großhirnrinde > Krankheiten der oberen Luftwege, Bronchien, Harnblase
• der eingeatmete Rauch brennender Samen führt zu Erregungszuständen, seltsamem Wohlgefühl (Gleichgültigkeit, Willenslosigkeit) und der Vorstellung fliegen zu können

Anwendung: 
Spasmen im Magen-Darm-Trakt;
Bilsenkrautöl zum Einreiben bei rheumatischen Schmerzen
Volksheilkunde: Salbe für Geschwüre; Saft aus grünen Samen in die Ohren
Monografie:  positiv

Nebenwirkungen:
Erbrechen, Schwindel, Krämpfe bis hin zum Tod

Hildegard von Bingen

Bilsenkraut ist kalt und weich und ohne Heilkräfte. Wenn es jemand (oder das aus seinen Samen hergestellte Öl) essen würde, würde es in ihm eine todbringende Giftwirkung entfalten. …
Das Öl, das aus seinem Samen gemacht wird, ist nicht sehr nützlich, aber wo an irgendeiner Stelle der menschlichen Glieder ein starkes Brennen entsteht, soll diese Stelle mit besagtem Öl eingerieben werden, und es kühlt es ohne jede andere Arznei ab. Aber die Stärke dieses Öls ist für sonstige Kranke nicht nützlich.

Physica 1.110

Wissenswertes:

  • Bestandteil von Hexen- und Flugsalben
  • bereits in der Antike ist die Wirkung bekannt; Einsatz als Schmerzmittel
  • wahrscheinlich hat das Orakel von Delphi (die Phytia) den Rauch vor ihren Weissagungen eingeatmet
  • im Mittelalter zur Konservierung von Bier verwendet

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