Text auf der Tabula Smaragdina

In Wahrheit, gewiß und ohne Zweifel:
Das Untere ist gleich dem Oberen und das Obere gleich dem Unteren, so wirken die Wunder eines Dinges.
So wie alle Dinge aus Einem und durch die Betrachtung eines Einzigen hervorgegangen sind, so werden auch alle Dinge aus diesem Einen durch Abwandlung geboren.

Sein Vater ist die Sonne und seine Mutter ist der Mond.
Der Wind trug es in seinem Bauche, und seine Amme ist die Erde.
Es ist der Vater aller Wunderwerke der ganzen Welt.
Seine Kraft ist vollkommen, wenn es in der Erde verwandelt wird.
Scheide die Erde vom Feuer und das Feine vom Groben, sanft und mit großer Vorsicht.
Es steigt von der Erde zum Himmel empor und kehrt von dort zur Erde zurück, auf dass es die Kraft der Oberen und der Unteren empfange.

So wirst du das Licht der ganzen Welt besitzen, und alle Finsternis wird von dir weichen.
Das ist die Kraft aller Kräfte, denn sie siegt über alles Feine und 

durchdringt alles Feste.
Also wird die kleine Welt nach dem Vorbild der großen Welt erschaffen.
Daher und auf diese Weise werden wunderbare Anwendungen bewirkt.
Und darum werde ich Hermes Trismegistos genannt, denn ich besitze die drei Teile der Weisheit der ganzen Welt.
Vollendet ist, was ich vom Werk der Sonne gesagt habe.


Der Hermes Trismegistos zugeschriebene Text wurde der Legende nach auf einer smaragdenen Steintafel eingeritzt gefunden. Er wurde zu einer der Grundlage der Alchemie = hermetische Kunst.

Sonnengesang

Gelobt seist du, mein Herr,
samt allen deinen Werken,
doch in besonderem Maß durch Schwester Sonne;
auf uns herab lässt du sie täglich scheinen.
Wie schön ist sie; sie strahlt mit großem Glanze.
Von dir, o Höchster, hat sie ihren Sinn.
Gelobt seist du, o Herr,
auch wegen Mond und Sternen,
die glanzvoll, schön und kostbar du geschaffen.
Gelobt seist du, o Herr,
durch Bruder Wind, durch Lüfte,
Wolken und jedwedes Wetter,
das die Geschöpfe deiner Hand erhält.
Gelobt seist du, mein Herr,
durch Schwester Wasser,
die nützlich-schlichte, köstlich und reine.
Auch Bruder Feuer lobe dich, o Herr,
er leuchtet uns in nächtigem Dunkel;
lustig ist er und schön; kräftig und kühn.
Es lob‘ dich unsere Mutter Erde, Herr,
die uns erhält und leitet.
Sie schenkt uns viele Früchte, Kräuter, bunte Blumen.

Franz von Assisi (1181-1226)